Kulturkritik – Recht oder Billig?

Kulturkritik höre ich oft aus den Mündern und Federn von Linken.
Sich über einzelne Aspekte der Kultur zu empören ist einfach, auch für den unterstützungswürdigen Geist, und das die meisten Themen gegen die sich Linke -in Abgrenzung zu Rechten- positionieren kulturelle sind, verführt im Alltag leicht zu polemischem Gemäkel an kulturellen Gepflogenheiten. Von der Geldwirtschaft über Wachstumswirtschaft hin zu Medienkritik, Sitten, Gesellschaft, Religion, Administration, Regierung, Polizei wird alles angeprangert, was irgendwie dem eigenen Lebensentwurf zu wiedersprechen scheint.
Ob das Ideal dieses Lebensentwurfes überhaupt trägt ist damit in die Verantwortung derer gelegt, die den Rahmen für das eigene Sein gestalten. Ein kluger Mann hat uns einst die Erkenntniss der Lebensumstände in dem Satz: „Das Sein prägt das Bewusstsein“ zusammengefasst, und daran will ich hier nicht rütteln, ich will die Frage der Kultur viel allgemeiner stellen. wikipedia-Kultur zeigt mal eben auf, welcher Begriff hier gemeint ist.
Die Vorstellung ohne Kultur ganz natürlich leben zu können ist in seiner pauschalen Idiotie der Aufruf wieder in das Stadium der prähistorischen Lebensweise zurückzukehren, weder die Bearbeitung des Ackers noch die Anerkennung des Lebensrechtes der Angehörigen eines fremden Clans wäre dann einzufordern. Keine Kunst, keine bearbeitete Speise wären mehr Bestandteil des Zusammenlebens, nun gut, den meisten die sich aufschwingen geht es wohl nicht um den totalen Bruch, sondern eher um eine menschenwürdigere Auswahl.
Exotische Kunst und Speisen zu hipen und sich die eigenen Lebensräume so weltbürgerlich zu gestalten, das die europäisch-unterdrückende Tradition fern gewähnt werden kann ist oft Ausdruck falsch ausgeübter Kritik an der eigenen Herkunft.
Was aber ist es  anderes als moderne Kolonialisierung sich die Erzeugnisse fremder Kulturen anzueignen, ohne zu fragen welche Bedeutung damit verknüpft ist? Die Bevölkerungeines Landes in dem Diktatur/Bürgerkrieg herrscht dadurch zu unterstützen dass man Andenken beim Handwerker im Dorf kauft und die Rechte an einem Bild von seinen besonders malerisch wirkenden minderjährigen Kindern gleich miterwirbt ist heikel genug, dieselben Waren beim Strassenhändler mit einem künstlich pittoresken Stand in der nähe des Flughafens sind jedoch himmelschreiende Ignoranz. Dem Fass den Boden aus schlägt die Tatsache dass die Produkte nicht selten längst nicht mehr im angeblichen Ursprungsland gefertigt werden, sondern in Fabriken in Fern-Ost.
Ich schweife ab. Sorry.
Kulturkritik ist immer gefällig, schwieriger jedoch: sich mit den eigenen Anteilen an derselben auseinanderzusetzen. Oft mag dahinter ein nicht allzu ausgeprägtes Kohärenzgefühl stehen, im seltensten Fall ein Gegenentwurf. Die bourgoise, ignorante Lebensweise abzulehnen darf nicht dazu führen, selbst ignorant fremde Kulturen zu Lieferanten paradiesischer Ideale zu verklären, sonst ist der Anspruch auf Kritik verwirkt. Rousseau ist hier keine Hilfe. Überhaupt war die Romantik hier  eher Kontraproduktiv: Wenn wir die vegetativen Prozesse -auf die wir angewiesen sind- übersteigen wollen, dann brauchen wir Kultur.
Es lässt sich natürlich trefflich streiten darüber welche… 🙂

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