Du kannst sicher gut singen und tanzen

Die charmantesten Vorurteile sind mir die unerträglichsten. 
Und charmant sind sie ja auch nur auf den ersten Blick, eigentlich eine bodenlose Frechheit, sich mit einer Erwartungshaltung auseinandersetzen zu müssen, die allein auf Merkmalen beruht, die ich nicht beeinflussen kann. Natürlich kann ich nicht deshalb singen, weil ich schwarz bin, sondern weil ich talentiert bin. Weil ich geübt habe. Weil es mir Freude macht. Nun aber, nachdem ich den jugendlichen Überschwang verloren und der Last der Vorurteile erlegen bin, habe ich es seit Jahren nicht öffentlich getan. Auch öffentlich zu tanzen habe ich mir abgewöhnt. Die Freiheit zu sein ist abhanden gekommen, mit jedem Schritt der Bewusstwerdung im Zuge von unausgegorenen Unterstellungen wie: „Ist ja klar dass Du musisch bist, so als Schwarze.“ 
Ich war immer vieles. 
Schon als kleines Mädchen geprägt durch die Tatsache „anders“ zu sein als die anderen Kinder früh im Kopf unterwegs und auf der Suche nach Normalität und Zugehörigkeit, gab und gibt es eben auch die andere Seite, die Lebensfreude, die Ausgelassenheit, die für mich konkret ja, eben immer mit singen und tanzen Ausdruck findet. Und die öffentlich ambivalent wurde, seit ich bemerkte, dass ich darauf durch meine Hautfarbe bedingt werde. 
Die „Lookism“ Diskussion, von der ich nur selten am Rande etwas mitbekomme, stößt da eine erduldete Schmach neu wieder an. Ich hatte mich längst daran gewöhnt, Vorurteilen äußerlich mit einem Lächeln zu begegnen, sie kalt auszuhebeln und die entwürdigende Notwendigkeit mich Ihnen zu stellen, als unwichtig vor mir selbst verborgen. 
Es gibt Kleidungstabou’s in meinem Leben. Ich würde sicher nicht in afrikanischer Kleidung das Haus verlassen. Das geht soweit, dass ich kaum je mehr als 2 Farben gleichzeitig anziehe, und eine davon ist meistens schwarz. Ich kleide mich nicht feminin. Ich trage immer Hosen. Und ich habe längst vergessen, ob ich das tue, weil es mir gefällt, oder weil ich nicht auf ein wie auch immer geartetes StereoTyp als Afrikanerin reduziert werden will. 

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7 responses to “Du kannst sicher gut singen und tanzen

  • Batty

    Ich finde es unheimlich schade, dass du dich von solchen Vorurteilen negativ beeinflussen/ hemmen lässt.Menschen, die nur in Schubladen mit den dazugehörigen Anhaftungen denken können, müssten einem eigentlich eher leid tun. – Auch wenn man leider immer noch einigen von ihnen mit Vorsicht begegnen sollte.Abgesehen davon, muss ich persönlich sagen, dass ich unter all den Vorurteilen, die ich gegenüber den unterschiedlichsten Gruppen gehört habe, "Musik im Blut" zu haben, als eher positiv empfinde. Und wenn es eine entsprechende Prägung gibt, die dieses Vorurteil begründet, ist diese nicht durch Hautfarbe, sondern durch Kultur zu begründen. – Eine Kultur, die mit ihren Tänzen und ihrer Liebe zur Musik im Allgemeinen als lebensbejahend und sehr gemeinschaftlich wahrgenommen wird.Es gibt Sängerinnen, die als "Weiße mit schwarzer Stimme" dargestellt werden. Und zumindest >gemeint< ist das sicherlich als Kompliment.Natürlich:Du tanzt und singst, weil es dir Freude macht. Du machst beides gut, weil du es übst.Jeder intelligente Mensch wird das auch genau so sehen. – Menschen, die deine Fähigkeiten unterschwellig abwertend durch eine (eigentlich doch sehr schöne) kulturelle Prägung erklären, versuchen, ihren Neid mit einem "charmanten" Vorurteil zu vertuschen ("Die kann das nur besser als ich, weil es ihr im Blut liegt"). Dumm und auch sehr schade, aber bitte kein Grund, dich von etwas abzuhalten, was du gern tust.

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  • evilmel

    Ich bin mir nicht ganz im klaren darüber, ob das jetzt grad ne Satire sein soll, oder nicht. Dieser Kommentar macht mich fassungslos. Möchte mich auch nicht weiter darauf einlassen, verweise aber zuletzt doch noch auf den ersten Satz des Posts (der erste Satz, nicht die Überschrift).

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  • Batty

    Wenn er dich fassungslos macht, hast du ihn falsch verstanden oder ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Den ersten Satz habe ich sehr genau gelesen.Vermeintlich charmant ausgedrückte Vorurteile spiegeln oft versteckten Neid wider und ich finde es schade, wenn man sich durch sowas von einer Leidenschaft abhalten lässt.Sollte nur heißen: Mach was du liebst und lass dich nicht durch von Neidern geäußerte Vorurteile davon abhalten.Aber wenn dir mein Kommentar nicht gefällt oder er zu Missverständnissen führt, lösch ihn gerne einfach.

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  • evilmel

    Kommt mir nicht so vor, als habe ich Dich falsch verstanden. Gegen Nazis die richtigen Worte zu finden, fällt mir leichter, als Menschen "die es ja nur freundlich " meinen klarzumachen, das sie mich rassistisch beleidigen. Auch positiver Rassismus grenzt aus, definiert als -anders, -nicht zugehörig zu, -setzt als Abweichung von der Norm und stellt Merkmale in den Vordergrund, die nicht geeignet sind, Menschen in ihrer Persönlichkeit zu erfahren. Wer auf das Leben einer schwarzen Frau in Schland neidisch sein sollte, der hat sie wohl nicht alle. Und im Ernst: Glaubst Du auch, wenn ein Mann sagt:"Frauen können halt einfach besser Babys die Windeln wechseln, dann sagten sie das aus Neid? Sexismus ist immer eine Machtdemonstration, und so ist es mit Rassismus auch. Vor allem schmerzt daran das ungesagte. Das was zwischen den Zeilen lesbar ist. "Die Zuordnung von Individuen zu Rassen geschieht anhand biologischer Merkmale, denen Verhaltensweisen zugeschrieben werden. Die neueste Form der Zuordnung geschieht über die angeblich unveränderbare kulturelle Identität einer Volksgruppe. Dieser "Kulturalismus" ist zwar nicht dasselbe wie Rassismus, führt jedoch im Kern zu ähnlichen Ergebnissen.""Positive kollektive Zuschreibungen wie "Schwarze tanzen besser als Weiße" sind nur die Kehrseite der gleichen Medaille und können als positiver Rassismus bezeichnet werden."Quelle(n):http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/le…btw, in meinem Fall zieht das KulturArgument nicht, ich bin nur durch deutsche Kultur geprägt (bzw. durch die amerikanisierte Form)

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  • Batty

    Sei mir nicht böse, aber du richtest deine Wut gerade echt gegen die falsche Person. Du hast mich sehr wohl falsch verstanden und scheinst es auch gar nicht greifen zu wollen. Ich könnte jetzt so ziemlich jedes deiner Argumente gegen meinen Post setzen, aber ehrlich gesagt denke ich nicht, dass das irgendetwas an deiner Einstellung zu meinem ersten Kommentar ändern würde. Du willst ihn falsch verstehen und dann will ich dir das auch gar nicht nehmen.Ich bin nicht gerade erfreut darüber, dass du meine Worte drehst und versuchst, mich hier mit irgendwelchen Einstellungen dastehen zu lassen, die mir einfach nicht entsprechen, aber das kann ich wohl nicht ändern.Dennoch zwei kleine Anmerkungen zum Schluss:1. Männer, die nicht wickeln wollen, und deshalb behaupten, Frauen könnten es eh besser und Menschen, die neidisch sind, weil ein anderer so toll singen kann, wie sie es selbst gern würden, miteinander zu vergleichen ist Quatsch, weil die Intention eine vollkommen andere ist.2. Ich sprach von Menschen, die neidisch auf einzelne Fähigkeiten einer Person sind, du sprichst vom Neid auf das komplette "Leben einer schwarzen Frau in Schland".Mal abgesehen davon, dass ich Neid prinzipiell nicht richtig finde, hast du mir auch hier wieder die Worte gedreht.Ich bin ernsthaft erschüttert, wie man einen "Hey, lass dir von Idioten nicht deine Leidenschaften vermiesen"-Kommentar so drehen kann, als wäre er in irgendeiner Form negativ gemeint.Schade. Sehr schade.

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  • evilmel

    Hoffe Du kannst Deine Position nochmal überdenken, wenn Du Dich nicht mehr so angegriffen fühlst. http://resistracism.wordpress.com/we-heard-it-before/

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  • Leah

    @Batty Vielleicht solltest du mal versuchen deine Reflexe, evilmel immer wieder ihre eigenen Erfahrungen abzusprechen und deine obigen, sie diskriminierenden und verletztenden Äußerungen zu wiederholen und zu rechtfertigen, zurückzuschieben und ihr einfach mal zuzuhören. Ihre Position und Erfahrung (die du ganz offensichtlich nicht hast und teilst) anzunehmen und über deine Aussagen nachzudenken.Leseempfehlung dazu zB auch:www.derbraunemob.de (lies dir doch dort mal den punkt "Fragen/Sprachliches" durch, insbesondere den Teil zu Exotismus)http://www.derbraunemob.de/deutsch/content/content_binichrassist.htmhttp://them.polylog.org/4/cwe-de.htm

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