"The Talk"

Natürlich hatte ich „Das Gespräch“ mit meinen Kindern.
Meine Kinder sind bedroht. Wenn meine Kinder Rechtsradikalen begegnen, dann ist eines von Ihnen aufgrund seiner Hautfarbe bedroht. Das andere hingegen ist eine ‚passing Black‚-Person, das heisst es geht bei Denjenigen als weisses Kind durch, die nicht wissen, daß ich die Mutter bin. Für dieses Kind bedeutet es eine schmälerung seines Privilegs als mein Kind wahrgenommen zu werden. Wenn ich das ‚passing Black‚-Kind irgendwo abhole, um es in Obhut zu nehmen, dann ist das nur ein bedingter Vorteil für das Kind, denn rechtsradikale Gemüter könnten dadurch auf es aufmerksam werden. Für einen erneuten Besuch des Kindes in solchen Gegenden ist es Vorteilhaft, Beobachter nicht durch allzu große Vertraulichkeit auf verwandtschaftliche Verhältnisse Aufmerksam zu machen. Ich brauche ’solche Gegenden‘ nicht zu erklären. No-go-areas existieren.
Ich hatte also mit beiden Kindern ‚Das Gespräch‘ und ich habe ihnen verschiedene Ratschläge gegeben.
Dem dunkelhäutigen Kind habe ich gesagt, das es in Gefahr ist, wenn es rassistisch beleidigt wird. Das es sich in Acht nehmen muss, wenn es aufgrund der Farbe seiner Haut, wegen der Struktur seiner Haare gehänselt wird.
Dem hellhäutigen Kind habe ich das nicht sagen müssen. Es hat das Privileg, weiss zu sein. Wenn es mit dem weissen Teil seiner Verwandtschaft unterwegs ist, dann genießt es die Normalität. Aber es nutzt sein Privileg. Es steht auf, wenn es von Rassismus hört. Dies bürdet ihm auf, sich schon in jungen, sehr jungen Jshren mit der Gnadenlosigkeit der Welt auseinandesetzen zu müssen. Ich sagte dem hellhäutigen Kind, es könne ruhigen Gewissens genießen, sich in meiner Abwesenheit ‚Normal‘ zu fühlen. Es war erleichtert, denn es hatte sich geschämt, meine Anwesenheit in der Öffentlichkeit ambivalent zu erleben.
Mein dunkelhäutiges Kind wird die Chance in der Masse unterzugehen nicht haben. Man erinnert sich an dieses Kind. Es hat nicht die Möglichkeit, sich in der Normalität zu verstecken, wenn es gerade mal unbeobachtet sein möchte. Mein dunkelhäutiges Kind beisst die Zähne zusammen. Es ist höflich. Es spricht sehr korrekt. Mein dunkelhäutiges Kind steht unter Druck. Es hat längst gelernt, dass seine Erscheinung ‚Anders‘ ist. Weder in den Büchern noch in der Werbung noch im TV noch in Kindergarten oder Schule entspricht es ‚der Norm‘. Damit nicht genug, wird es auf seine Andersartigkeit ja auch angesprochen, „Du brauchst ja keine Sonnenmilch, kein Sonnenhütchen„,  „Nun seh ich aus wie Du, ich war im Urlaub/ auf der Sonnenbank, sicher werden wir nun verwechselt, Hahaha„. Bei dem dunkelhäutigen Kind trauen sich Erzieher und wildfremde Menschen Grenzen zu übertreten, die die körperliche Selbstbestimmung des Kindes überschreiten. Es wird mit ihm umgegangen, als seie es ein bemitleidenswertes Kuscheltier. Ich musste ihm sagen, dass es das Recht hat, sich gegen übergriffiges Verhalten zu wehren. Auch bei Weisungsbefugten. 
Selbstverständlich habe ich mit beiden Kindern besprochen, was sie tun können/müssen, wenn Menschen sie berühren, ohne dass sie das wollen, bei dem dunkelhäutigen Kind ist das allerdings Alltag. Wenn es sich dagegen verwehrt, dann setzen beim Gegenüber die üblichen Reflexe der Schuldverschiebung ein. 

Daher: natürlich musste ich mit meinen Kindern darüber sprechen, was sie erwartet von Weissen und wie sie sich zu verhalten haben.

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