„Ich hab es doch nur gut gemeint“

Angeblich sind viele Männer(TM) seit der aufgekommenen Sexismus-Debatte verunsichert, welches Verhalten angebracht ist. Nicht nur, daß ich das nicht glaube, weil kaum ein Mann das, was er Augenzwinkernd toleriert wissen möchte, lustig und/oder in Ordnung findet, wenn es seiner Frau/Tochter/Schwester entgegengebacht wird, nein, es geht weiter: Es geht nicht um ‚was ist erlaubt und was nicht‘. Es geht immer um Vorurteil, um was erwarte ich vom Gegenüber. Und das ist selbstverständlich bestimmt durch die dahinterliegende Weltsicht. Solange ich Menschen in genau 2 Geschlechtsgruppen sortiere  kann ich nicht unbefangen den Menschen der mir begegnet kennen lernen. Diese Zuordnung geschieht ja nur, um Menschen Eigenschaften zuweisen/unterstellen zu können, um Menschen zu sortieren und Ihnen einen Platz zuzuweisen.

Nötig ist das, um die patriarchale System aufrecht zu erhalten. Ohne eine Zuweisung zu Gruppen ist kein hierarchisches System überlebensfähig.  Daher die strikte Zuweisung, die Transphobie, die Homophobie, die übergriffigen Versuche, einen „richtigen“ Mann(TM), eine“richtige“ Frau(TM) zu definieren. Daher der strikte Ausschluss aller Personen, die sich nicht selbst einsortieren wollen in diese alten, immer schon falschen, einengenden Strukturen. Jede Zuschreibung ist falsch/ muss falsch sein in einem Herrschaftssystem, das selbst schon zuordnet. Jede Eigenschaft wurde entwickelt in Unfreiheit, jede Vorliebe ist ein Entwurf vor dem Hintergrund des unterdrückenden Modells. Jede Daseinsform bezieht sich auf die zugrundeliegende Matrize, ist Eingliederung oder Abgrenzung zur gesellschaftlichen Schablone. Wir sind keine freien Wesen. Wir entscheiden nicht aus freiem Willen sondern charakterisieren uns als: „so wie“ oder: „genau nicht wie“.

Dabei ist die Form, in der die unterdrückenden Mechanismen sich behaupten ständigem Wandel unterlegen, sie werden subtiler, sie werden sogar mit der Behauptung des Gegenteils verschleiert. Ihre Anwesenheit offenbart sich jedoch bei genauerem Hinsehen an den angestrebten Zielen.

„Im Gegensatz zum altmodischen Sexismus — welcher Frauen als unintelligent und inkompetent beschreibt — zeichnet sich moderner Sexismus aus durch ein Abstreiten, dass sexuelle Diskriminierung weiterhin als Problem besteht, Feindseligkeit gegenüber Frauengruppierungen und durch den Glauben daran, dass Regierung und Medien sich zu sehr mit Maßnahmen für Frauen beschäftigen.“

Mit der freundlich wirkenden Maske des Wolfes im Schafspelz kommt der benevolente Sexismus/ der GentlemanChauvinismus daher.

„Benevolenter Sexismus ist eine ritterliche Ideologie, die denjenigen Frauen Schutz und Zuneigung entgegenbringt, die konventionelle Geschlechtsrollen annehmen. Da benevolenter Sexismus oberflächlich wie eine Tugend und nicht wie ein Vorurteil erscheint, kann er unbemerkt und sogar von den Frauen selbst aufrechterhalten werden (Glick et al., 2000).“

„Wie auch im Fall positiver Stereotypen ist benevolenter Sexismus weit entfernt von wohlwollend oder gütig. Zunächst einmal schränkt er die Freiheit von Frauen ein und unterstützt ihre Abhängigkeit von Männern.“

Auf Frauen, die den Eindruck haben, vom benevolente Sexismus zu profitieren wirkt der modernen Sexismus wie ein angenehmer Zustand, in dem sie umhegt werden, so dass sie, um den Vorteilen dieser Behandlung nicht zu entgehen, „untereinander als Gefangene und Wächterinnen gleichzeitig agieren. “

Alle Zitate aus Understanding Prejudice:  http://www.understandingprejudice.org/

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