Archiv der Kategorie: Macht

Euer Abrücken gefährdet mich

Die „normalen, besorgten Bürger“ stellen sich halt unter ‚Nazi’s‘ Bomberjackentragende Schlägertrupps vor. Und meinen, das die ja auch nicht ganz unrecht haben. Sie denken nicht weiter an die Nazi’s, die den Hitlerfaschismus möglich gemacht haben. Die auch damals besorgte Bürger_innen waren. nichts weiter. Doch, etwas weiter. Bürger_innen, die verkannt haben, wo der Feind steht. Der Feind der Menschen ist das kapitalistische System. Wer sich Bürger_in nennen kann hat schon ein grosses Privileg: die verbrieften, Bürgerechte. Jede_r Deutsche hat das Recht auf EU- und kommunaler Ebene zu wählen, das Recht auf eine gute Verwaltung, das Recht auf Zugang zu Dokumentationen, das Recht auf Bürgerbeauftragte, das Petitionsrecht, und das Recht auf diplomatischen Schutz. Das sind Rechte, die in Deutschland lebenden Menschen, die keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, nicht gewährt werden. Die rechten Parteien gehen da weiter, sie wollen diese Rechte auch denen nehmen, die nicht ihrer Vorstellung von Deutschen entsprechen. zur Zeit aufgrund der JAhrelangen Vorbereitung durch Politik und Medien: Muslimas und Muslime. Das es auch um andere Menschen geht, um Non-Citizens, um Schwarze Deutsche, genauer: um Alle, die nicht den einfältigen Vorstellungen von arischer Herkunft entsprechen, das sehe ich. Weil ich mitgemeint bin.

Einer der Gründe, weswegen die Jahrzehntelange Verharmlosung des rechten Randes und die Zulassung der NPD in den Parlamenten gefährlich war: weil es dazu führte, das NaziParolen heute als legitime Meinung erachtet werden.
Ich möchte Euch, die Ihr weiss seid, dringend bitten, Euch, auch wenn es wenig lustig ist, damit auseinanderzusetzen. Geht dem Gespräch mit den Pegidisten nicht aus dem Weg.  Ihr habt das Privileg, nicht deshalb zusammengeschlagen zu werden weil ihr äusserlich nicht in das Konzept derer passt, die da demonstrieren.
Ich will das nicht mehr machen. Ich will nicht mit Menschen reden, die sagen, ich würde hier nicht hingehören. Ich will nicht mit Menschen verhandeln, die den Weg bereiten für die die mich töten wollen.
Euer Schweigen und Euer Abwenden macht die Gefährdung für Menschen wie mich grösser.


nicht weiss ist nicht_weiss ist nicht_weiss

Aufgrund einer Formulierung wird mir gerade klar, was mich stört an dem Braun/Mixed-Konzept:
Mensch kann sich nicht als von_Rassismus und nicht_von_Rassismus_betroffen definieren.
Das ist wie ein_bisschen_schwanger.
Mensch kann vielleicht sagen: „Ich habe es leichter als jemand dessen Hautfarbe noch dunkler ist als meine“, aber da wären schon mitten in Oppression-Olympics.
Mensch kann sich zwar als ’schwarz und weiss‘ definieren, aber nicht als ‚Schwarz und weiss‘
Schwarz als politisches Konzept hat nichts mit dem Hautton der Person zu tun.
Schwarz bedeutet politisch nicht mehr als: ‚Gehört zur Gruppe derer, die nicht_weiss sind‘.
Diese Grundlage ist deshalb wichtig, weil sie Spielfelder beschreibt.
white privilege exists und das lässt sich nicht dadurch ändern, ob einzelne böse Akte nach Hautton gestaffelt mehr oder weniger häufig vorkommen.
Privilegien weisser Menschen existieren, diese unverdiente Macht und die unverdient bevorzugte Behandlung wird weissen Menschen erteilt. (Wer nachlesen möchte, worum es sich dabei handelt, möge doch bitte bei sanczny schauen) Und all die Menschen, die nicht am anderen Ende der phänotypischen Scala stehen, die in irgendeiner Form in der Hirarchie „dazwischen“ sind, und dadurch gegebenenfalls hier und dort einen Teil der bevorzugten Behandlung erfahren, die von weissen aus der Schlange der ‚ganz_ganz_anders_vielleicht_nicht_mal_Menschen‘ etwas weiter nach vorne gerufen werden, die können versuchen, damit zu dealen, aber das bedeutet, dem Konzept Rassismus zuzustimmen. Nicht einmal es gut zu heissen, aber immerhin, wer vorrückt in der Schlange, di:er tritt aus, aus der Vereinigung derer, die nicht die vollen Rechte geniessen.
Ich verurteile nicht di:en Streikbrecher_in, der sich erpressen lässt, weil zuhause seine Kinder vor Hunger quaken und ich verurteile nicht den Houseslave, aber ich zeige auf, das diese dem Herrscher in die Hände spielen.
Existenzielle Not existiert, und Jede_r muss selbst entscheiden können, wie und wie sehr si:er sich damit auseinandersetzt. Es sind schon Menschen zerbrochen daran, und es sind auch welche an gebrochenem Herzen gestorben.

Wer nicht verstanden hat, welche Kategorien greifen, wenn Menschen einander begegnen, sondern glaubt(!) in einer indoktrinierenden Gesellschaft wären Menschen kategoriefreie, leere Tafeln, die sich dank persönlicher Souveränität unabhängig von dem System, dass sie umgibt, täglich neu erfinden könnten, kann dies nur mittels Nutzung von unverdienten Vorrechten oder Aufgrund von Ignoranz. Der Glauben an dieses sich selbst neu erfinden ist niedlich. Er ist verständlich. In einer Welt,die auf dem Mythos aufbaut, eine Tellerwäscherin könne Millionärin werden kann, muss sich jede selbst aussuchen dürfen, wer si:er ist. Und wer es nicht schafft, die eigenen Träume zu verwirklichen, hat halt einen Fehler gemacht.
Aber dieser Glaube negiert die Bedingungen, denen wir unterliegen. Die Abhängigkeiten, an die wir gebunden sind. X hat es geschafft, also ist es mir und Y auch möglich? Nein, leider nicht. Zu viele Faktoren sind Vorrausetzung für eine erfolgreiche Umsetzung eigener Wünsche, als dass wir ein Scheitern als persönliche Niederlage deklarieren dürften. Das Geschlecht, die Klassenzugehörigkeit, das Entsprechen körperlicher Normen sind inzwischen anerkannte Grössen. Der Phänotyp aber soll verschleiert werden. Weil seine Wirkmacht nötig ist im nationalistischen Kapitalismus.

Meinem Kind zu sagen, es seie nicht Schwarz sondern mixed würde ihm nicht helfen, zu verstehen, weswegen es diese Privilegien nicht hat. Wenn ich meinem Kind sage, dass es Schwarz ist, leugne ich nicht, dass Teile seiner Vorfahren weiss sind. Ich bereite es vor auf eine Welt, in der sein Phänotyp nicht nicht wahrgenommen wird. Denn diese Tatsache existiert, ob uns das behagt oder nicht. Ich gebe ihm Worte, für die Gefühle, die es wahrnimmt.
Ich bereite es vor auf eine Welt, in der die Kategorie Rassismus eines der Kriterien sein wird, nach denen es beurteilt wird. Denn mein Kind ist nicht weiss. Es hat weisse Vorfahren und nicht_weisse, und das ist immer nicht_weiss.
Dennoch erkläre ich ihm noch nicht den grossen Überbau, unter dem es lebt.
Ich glaube fast, ich erkläre meinem Kind nicht die politische Bedeutung von Schwarz, weil ich es nicht so früh auf die Trost- und Hoffnungs- und Auswegslosigkeit der Kategorie hinweisen will.


Was zu tun und was zu lassen ist als gute Bündnispartner

1. Lenke nicht vom eigentlichen Diskussionsthema ab. Auch wenn es für Dich persönlich unangenehm ist, Thema X zu diskutieren, es geht nicht um Dich und Dein Wohlbehagen. Es geht um Thema X, und es steht Dir absolut frei, Dich herauszuhalten, nicht jedoch, andere Menschen von der Fortsetzung ihrer Gespräch abzuhalten.

2. Lies die Links / Bücher auf die in der Diskussion verwiesen wurden. Und auch wenn die Dinge, die Du erfährst, verursachen, das Du Dich unwohl fühlst, Ein_e gute_r Verbündete_r zu sein,bedeutet nicht, sich in einer angenehmen Komfortzone aufzuhalten. Deine innere Abwehrhaltung musst Du schon selbst aufgeben.

3. Erwarte nicht, dass Deine Gefühle Priorität in einer Diskussion über X Problem haben.
Oft benutzen Menschen das Ton-Argument, weil ihre Gefühle durch die Art und Weise, in der eine Nachricht zugestellt wurde, verletzt werden. Wenn Du jemandem auf den Fuß getreten bist, und jemand fordert Dich auf, herunter zu gehen, dann ist die Antwort „Bitte netter darum “ nicht richtig. Zunächst einmal warst Du im Unrecht.

4. Mund halten und zuhören. Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig es ist, Menschen zuzuhören, die selbst von Erlebnis X betroffen sind. Es gibt kaum etwas unschöneres, als wenn jemand Betroffenen gegenüber (gut gemeint) darauf besteht, dass sie/er die Lösung gefunden hat, auch wenn sie/er die X-Erfahrung nie selbst gemacht hat. Du kannst natürlich Vorschläge machen, aber sei nicht überrascht, wenn diese Ideen nicht gut sind, weil Du die Situation aus der anderen Perspektive betrachtet hast.

5. Spiele nicht Olympiade der Unterdrückten. In der Mitte eines Gesprächs über Rassismus ist nicht die Zeit, darüber zu schwadronieren, wie schwer es ist, zB eine weiße Frau zu sein. Das Du in einem Bereich unterdrückt bist, bedeutet nicht, dass Du kein Privileg in einem anderen Bereich hast. Begriffe wie Intersektionalität und Kyriarchie gibt es aus einem Grund. Also … das ist Ablenkung. Hör auf.

6. Überprüfe Deine Privilegien. Das ist schwer und das ist oft unangenehm, aber es ist wirklich notwendig. Und Du wirst dabei Dinge falsch machen. Denn niemand ist perfekt. Aber ein Teil des Bündnispartner-seins ist die Bereitschaft zu hören, dass du es falsch machst.

7. Erwarte keinen Passierschein in sichere Räume, weil Du Dich Bündnispartner nennst. Du bekommst nicht dadurch ein Recht auf Zugang, dass Du Dich nicht wie ein [ hier Schimpfwort einsetzen ] benimmst. Manchmal geht es einfach nicht um Dich oder darum, was Du denkst, was geschehen sein sollte. Deine Privilegien fallen nicht weg, wenn Du Verbündete_r geworden bist. Es gibt innergemeinschaftlichen Gespräche, die ihren Platz frei vom Blick Privilegierter brauchen.

8. Sei bereit, Dich gegen Bigotterie zu erheben. Auch wenn alles, was Du tust, ist, einem Freund zu sagen, dass das, was sie gerade über die marginalisierte Gruppe X gesagt haben, nicht akzeptabel ist, damit hast Du etwas von der eigentlichen Arbeit des ‚ein Bündnispartner sein‘, geleistet.

9. Benutze Menschen nicht, als wären sie symbolische Accessoires oder Maskottchen. Du bekommst keine CoolnessPunkte dafür eine Gruppe von Freunden zu haben, die verschiedenen Phänotypen zugeordnet werden. Du fällst sogar unangenehm damit auf, wenn Du versuchst, diesen Umstand als Freifahrtschein zu verwenden, um Dir wie ein_e selbstgefällige_r  Geck auf die Schulter zu klopfen.

10. Versuche es weiter. Unablässig. Der Kampf gegen Bigotterie ist ein Krieg, keine einzelne Schlacht und er währt über Generationen. Also, halte Deine Ziele realistisch, Deinen Geist offen, und Dein Herz an der richtigen Stelle. (Und Pausen für emotionale, finanzielle, körperliche Erholung sind Not-wendig). Am Ende werden wir es schaffen.

Übersetzung des Textes “ the do’s and don’ts of beeing a good ally
von karnythia
– Sehen Sie mehr unter: http://theangryblackwoman.com/2009/10/01/the-dos-and-donts-of-being-a-good-ally/#sthash.03RCXhDs.dpuf


Rassismus den Spiegel (16 x ja sagen)

 

  • Weiße Privilegien existieren.
  • Weiße Privilegien zu hassen ist nicht das gleiche wie weisse Menschen zu hassen.
  • Trennung oder Spaltung wird nicht dadurch hervorgerufen, das Menschen mit Rassismuserfahrung Schutzräume betreten .
  • Positionen umzudrehen bringt weder Klarheit in ein Thema, noch bedeutet es, dass dadurch einander entsprechende Analogien erstellt werden.
  • Menschen haben Anspruch auf ihre eigenen Gefühle und auf den Ausdruck derselben. Die Erfahrungen und Gefühle von Menschen als übertrieben und unsachlich abzutun ist nicht hilfreich in der Diskussion um Rassismus.
  • Selbstverteidigung als Antwort auf Fragen oder Aussagen von Schwarzen Menschen/PoC bezüglich des Themas Rassismus ist das Nutzen eines Privilegs.
  • Empowerment durch Schwarze Menschen und PoC anzustreben ist nicht das gleiche wie weiße Menschen entrechten.
  • Rassismus ist mehr als “ einzelne, boshafte Taten.“
  • Ein Anspruch darauf, als Anti-Rassistisch wahrgenommen zu werden kann nicht auf der Existenz von eine_r Schwarzen oder PoC Freund_in/Frau*/Mann*/Kinder_n basieren.
  • Wenn Du um Entschuldigung bitten möchtest, dann kannst Du sagen, dass es Dir leid tut und dann die Klappe halten. Keine Rationalisierung , keine lange Erklärung über die Absicht, keine berufen auf „di:en schwarze_n Freund_in“ der Dein Vorgehen duldet oder sogar gutheisst. Und dann an der Veränderung arbeiten.
  • Im Mittelpunkt der Anti -Rassismus-Arbeit muss die Wirkung stehen, nicht die Absicht.
  • Das feiern von  „Multikulturalismus“ befasst sich nicht mit Rassismus.
  • People of Color sind nicht für die Bildung von weißen Menschen verantwortlich. Auch nicht für die Anti-Rassistische Bildung.
  • Es geht nicht immer nur um Dich.
  • Eine Erfahrung, die Du als weisse Person gemacht hast, und von der Du glaubst, dass sie einer Erfahrung von einer Schwarzen Person ähnlich ist, ist kein gültiger Beweis dafür, dass Rassismus nicht oder gegenseitig existiert.
  • “ Anti- Rassismus “ existiert nicht ohne Aktion.Übersetzung des im Original englischen Textes

was sie sagt

„Nutze deine Chance“

sagt sie,

„Wenn Du Dich hier anstrengst,

dann kannst Du wer sein.

Nicht mehr Hartz4,

ich biete Dir

ein angesehenes Leben.

Du musst nur fleissig tun,

was ich sage,“

sagt sie,

und „ich verspreche Dir,

niemand wird mehr auf dich herabsehen.

Ich staffiere Dich aus

mit allem, was Respekt verschafft,

dann ist deine Hautfarbe ganz egal.“

„Pass dich an“,

sagt sie,

„halte den Rasen kurz und zupf das Unkraut aus,

dann sag ich den Nachbarn, dass du genau wie wir bist,

genau wie eine weisse.“


Wenn Ihr wüsstet, was wir wollen

Der letzte Artikel, den ich hier schrieb, war mit Schmerz verbunden. Ich hatte mich geärgert über weisse Feministinnen (TM), die sich die Welt erklären, und mir sagen, wie ich zu meinem Recht komme. Spät erst verstand ich, was sie eigentlich gemeint hatten. Auch auf Twitter hatte ich hernach noch einige Denkanstösse nötig. Es hatte nicht das Ziel bestanden, schwarze Realität zu ignorieren, es war eben nicht genug, schwarze Frauen unter ferner liefen einzuordnen. Schwarze Frauen brauchen eine Sonderstellung wurde mir beigebracht. Ich fühlte mich dumm. Alles was sie sagten fühlte sich falsch an, aber sie wollten doch etwas besonders Gutes erreichen.

Dennoch, wieder war ich nicht eine von Vielen, eine unter Anderen, sondern ausgesondert.

Ich schrieb also an Grada Kilomba, die Verfasserin des Textes. Heute kam Ihre Antwort:

„Dear X,

thank you so much for writing me this message.
I am not aware of the discussions you are mentioning, but I am very happy to read your intervention. Indeed Black authors and authors of Color have to become more visible, noticed and quoted….“

 


Überall alles nur Rassismus oder schwarze Babies sind viel süsser als Weisse.

Natürlich habe ich Pippi gelesen. Als ein Kind der ’70er war ich quasi zwangsverpflichtet, mir feministische Kinderliteratur zu Gemüte zu führen. Auch die rote Zora haben meine (weißen) alternativ-bürgerlichen Eltern mir gegeben. Jim Knopf hatte ich nicht und auch nichts von Preussler, das wäre nicht aufrührerisch und alternativ genug gewesen. Aber ich kannte Jim. Die Augsburger Puppenkiste ’n stuff. Ich hasste ihn. Wegen des N*Wortes. Ich hasste es, wenn am Sonntag die unsäglichen TarzanFilme liefen. Und andere in Afrika spielende Filme, alle aus der Perspektive der weissen Herrscher, mit kleinen, augenrollenden Schwarzen, die gleichförmig ängstlich reagierten, wenn der weisse Forscher ins unentdeckte Gebiet aufbrechen wollte. Ich wusste, was am nächsten Tag in der Schule los sein würde. Sie würden mich mit diesen dummen kleinen Menschen gleichsetzen. Wegen meiner Hautfarbe und weil sie gelernt hatten, das diese eine Kategorie ist. Das es eine Kategorie: Hautfarbe gibt. Keine für Brillenträger, Segelohrenträger, Zahnspangenträger, Stotterer, was auch immer. Da war kein:“Hah Hah, gestern war eine wie Du im Fernsehen, eine XY, alle XY’s sind gleich, Du bist wie die im Fernsehen.“ XY war keine Kategorie.
Wenn ich mich beklagte, daß „die anderen Kinder mich N* genannt haben“ dann sagten meine Eltern gutmütig: „Die sind nur neidisch. Die ganzen Weissen gehen doch ins Sonnenstudio, um braun zu werden, die sind alle neidisch auf deine braune Haut.“ Ich spürte, daß etwas daran nicht stimmt, aber meine Eltern spürten da nichts. 
Die Erwachsenen der 70er waren in ihren Köpfen gefangen, in ihrer Ablehnung des HitlerReiches, in ihrem Versuch, alles besser zu machen als die eigene Eltergeneration. 
So konnten mich die Kindergärtnerinnen nicht in Schutz nehmen, wenn ich weinte, weil beim Spiel ‚Wer hat Angst vorm schwarzen Mann‘ alle vor mir fortliefen, wenn ich es hasste, das die „10 kleinen N*lein“ gesungen wurden, wenn ich aufgefordert wurde, zu zeigen, ob ich am ganzen Körper so aussähe wie Kakao. 
Die Erwachsenen mussten diese Vorfälle relativieren, bagatellisieren, weil sie sonst hätten eingestehen müssen, daß wir in einer rassistischen Gesellschaft leben. Das ich in meiner Würde bedroht werde. Sie hätten mit all den Eltern und Lehrern reden müssen, über eine Form der Ausgrenzung, für die sie Weder Verständnis noch überhaupt  Worte hatten.
Wenn ich geschubst, ausgelacht und gehänselt wurde, waren meine Lehrer_innen überzeugt, ich hätte es selbst herausgefordert. „Was hast Du denn vorher gemacht?“ fragten sie, weil es ihnen unvorstellbar war, daß es tatsächlich einfach Rassismus war, der mich ausgrenzte. 
Geschult durch die Frauenbewegung war meinen Eltern institutionelle Ausgrenzung durchaus geläufig, so wiesen mich darauf hin, das ich mich überdurchschnittlich anstrengen müsse, wenn ich positiv wahrgenommen werden wolle, aber die alltägliche Diffamierung blieb ihnen unsichtbar. 
Meine Eltern sind keine schlechten Menschen, ganz im Gegenteil, sie sind wundervolle, engagierte, sensible Menschen. Leider waren sie damals Farbenblind. „Du bist genau wie alle anderen“, sagten sie mir. Das stimmt nicht. Ich bin anders
Alle sind anders.
„Da stehst Du doch drüber“ sagten sie. Aber das Wort schmäht, es verletzt, es definiert mich in eine Gruppe. Es sagt:’Du gehörst nicht dazu.‘, Du bist nicht eine von vielen, Du bist anders. 
Nochmal: Alle sind anders.
Meine Hautfarbe ist mein Stigma. Sie definiert mich. Sie ist das Merkmal, das wahrgenommen wird, ich kann sie nicht verstecken. Ich werde über sie beschrieben, wiedererkannt. Und sie ist mit Vorurteilen behaftet. Sowohl mit bewussten als auch mit unbewussten. 
Das macht nichts. 
Wichtig, für den Fall, das es richtig erscheint und den eigenen Werten entspricht, ist nur, sich diesen Vorurteilen zu stellen, sie zu überprüfen und gegebenenfalls zu revidieren.  In jedem Einzelfall.
Anderenfalls bin ich gern bereit Borniertheit, Dünkel, Ignoranz und rassistische Sprache zu diagnostizieren.
Wenn Worte belanglos wären,dann könnte sich ja keine_r derer, die jetzt von Sprachpolizei rumeumeln darüber aufregen, daß sie dafür Rassist_innen genannt werden.
Nicht nur einmal bin ich steif vor Angst weitergegangen, wenn es mir nachgerufen wurde. Ich habe es unzählige Male gehört und mich ohnmächtig gefühlt. Es triggert mich. Auch, wenn es ‚im Spaß‘ gesagt wird. Als N*puppe. Als N*Kuss. Als N*Eis. 
Es erinnert mich daran, daß es ein leichtes ist, mich auszugrenzen, mir meine Würde abzusprechen, mir das Recht abzusprechen, der Unverletzbarkeit meines Körpers sicher zu sein.
Und wie komme ich nun dazu, aus meiner persönlichen Betroffenheit heraus, eine politische Forderung zu stellen?
Die feministische Arbeit hat vor 40 Jahren bereits aus einer Position der Betroffenheit daraufhingewiesen, daß das Private politisch ist. Mit der Forderung auf den Verzicht auf diffamierende Sprache vertrete ich nicht nur meine Empfindlichkeit, sondern ich verlange den Verzicht darauf, mich rassisch zu gruppieren, mich fremdzudefinieren, mich exclusiv zu behandeln. Ich verlange, daß ich als Person wahrgenommen werde. Ich bestehe darauf, als Mensch erlebt zu werden. Huch.


Danielle Boodoo-Fortuné

Trinidadian poet and artist

The Mixedbetweener

In Between Cultures, Languages and Identities and More...

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