Archiv der Kategorie: Rassismus

Hasst Du mich ein bisschen weniger, weil es Menschen gibt, deren Teint dunkler ist als meiner? TW

Dein Blick seziert mich.
Ich liege unter dem Messer, dass Du Zunge nennst.
„Soooo schwarz bist Du doch gar nicht.“ lächelst Du aufmunternd, und: „Du musst aber auch nicht unbedingt eine ’solche‘ Frisur tragen…“, wenn ich meine Haare auftürme. Wenn ich sie flechte. Oder twiste. Oder braide.
Mein Zopf jedoch zeigt Dir meine Anpassung. Dass ich nicht stolz darauf bestehe, Afrikanerin zu sein sondern mich einordne. Das ich Europa huldige und zugebe, die Abweichung von der Norm zu sein. Binde ich meine Haare unauffällig zurück, so ducke ich mich unter die Limbostange europäischer Werte. Anständig und sauber hast Du vordefiniert. Ein Bauernzopf zB ist anständig und sauber. Crotchet Braids hingegen nicht. Twists erinnern Dich nun mal nicht an Pfarrerstöchter sondern an Dschungel und Kral und Hungersnot und Spenden und Flüchtlingslager.
Ganz fürsorglich gemeint gibst Du mir zu verstehen: ‚Es gibt Menschen, die erschrecken vor Afrikanern…‘
Du prüfst mich, und bestätigst dann freundlich nickend: „Du sprichst aber gut Deutsch“
(Du duzt mich, darum duze ich hier mal zurück. Meist aber wähle ich die förmliche Anrede. Um mich zu distanzieren.)
„Du hast ja auch Glück gehabt,“ sagst Du: „Aus Dir kann etwas werden, es kommt nur auf Dich an.“
Du grenzt mein Kind aus, seit Du weisst, dass es Schwarz ist. Wie Du mich ausgrenzt. Mein kleines Kind. Du hattest nicht gewusst, das es Schwarz ist, bis Du mich erkanntest.
Nun fühlst Du Dich betrogen.
Du sagst meinem Kind: „Du gehörst hier nicht her. Nein, Du bist nicht von hier. Du bist aus einem Trommel-Land.“
Lässt Du mich leben, weil ich für Dich nicht „ganz-ganz dunkel“ bin?
An der Theke arbeiten, das geht nicht, „Das hättest Du mir aber schon am Telefon sagen müssen, das Du ne Schwatte bist, da laufen mir ja die Kunden davon“, sagst Du und lachst verständnisheischend.
Du vermietest mir die Wohnung nicht. „Wir hatten schon mal einen Schwarzen, der hat gedealt, darum machen wir das nicht mehr“, sagst Du. „Dein Name klingt ja deutsch, darum haben wir Dich eingeladen, damit konnte ja niemand rechnen, dass Du nicht von hier bist“. Meine Beteuerungen, ich seie sehr wohl ‚von hier‘ wischt Du lächelnd weg. „Du verstehst mich schon!“ Na klar verstehe ich, es geht nicht um meine Herkunft. Wäre ich weiss und in einem afrikanischen Land geboren, dann gäbe es keinen Ausschluss. Es geht um das, was Du in mich hineinliest.


Euer Abrücken gefährdet mich

Die „normalen, besorgten Bürger“ stellen sich halt unter ‚Nazi’s‘ Bomberjackentragende Schlägertrupps vor. Und meinen, das die ja auch nicht ganz unrecht haben. Sie denken nicht weiter an die Nazi’s, die den Hitlerfaschismus möglich gemacht haben. Die auch damals besorgte Bürger_innen waren. nichts weiter. Doch, etwas weiter. Bürger_innen, die verkannt haben, wo der Feind steht. Der Feind der Menschen ist das kapitalistische System. Wer sich Bürger_in nennen kann hat schon ein grosses Privileg: die verbrieften, Bürgerechte. Jede_r Deutsche hat das Recht auf EU- und kommunaler Ebene zu wählen, das Recht auf eine gute Verwaltung, das Recht auf Zugang zu Dokumentationen, das Recht auf Bürgerbeauftragte, das Petitionsrecht, und das Recht auf diplomatischen Schutz. Das sind Rechte, die in Deutschland lebenden Menschen, die keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, nicht gewährt werden. Die rechten Parteien gehen da weiter, sie wollen diese Rechte auch denen nehmen, die nicht ihrer Vorstellung von Deutschen entsprechen. zur Zeit aufgrund der JAhrelangen Vorbereitung durch Politik und Medien: Muslimas und Muslime. Das es auch um andere Menschen geht, um Non-Citizens, um Schwarze Deutsche, genauer: um Alle, die nicht den einfältigen Vorstellungen von arischer Herkunft entsprechen, das sehe ich. Weil ich mitgemeint bin.

Einer der Gründe, weswegen die Jahrzehntelange Verharmlosung des rechten Randes und die Zulassung der NPD in den Parlamenten gefährlich war: weil es dazu führte, das NaziParolen heute als legitime Meinung erachtet werden.
Ich möchte Euch, die Ihr weiss seid, dringend bitten, Euch, auch wenn es wenig lustig ist, damit auseinanderzusetzen. Geht dem Gespräch mit den Pegidisten nicht aus dem Weg.  Ihr habt das Privileg, nicht deshalb zusammengeschlagen zu werden weil ihr äusserlich nicht in das Konzept derer passt, die da demonstrieren.
Ich will das nicht mehr machen. Ich will nicht mit Menschen reden, die sagen, ich würde hier nicht hingehören. Ich will nicht mit Menschen verhandeln, die den Weg bereiten für die die mich töten wollen.
Euer Schweigen und Euer Abwenden macht die Gefährdung für Menschen wie mich grösser.


Tanzen können wir alle


Wie ich mich stosse an den engen, harten Maschen, in die ich mich einst zurückgezogen habe.  Ich tanze in der Küche, wenn ich allein bin. Grazil und kraftvoll. Wenn ich in Gesellschaft bin, bin ich unbeholfen. Mein Körper eckt an, an die Gesetze des Blicks, den ich spüre, an die Worte, die mich bannten. „Natürlich kann sie tanzen, als Schwarze hat sie das im Blut.“
„Wenn sie gut tanzen kann, dann ist sie auch gut im Bett“ flüstern sie, raunen sie, nein, sie sagen es mir laut ins Gesicht. Sie grinsen und reiben sich an mir und lassen mich zurückweichen. Ich stolpere und falle. Meine Füsse verweigern ihren Dienst. Tollpatschig gerate ich ausser Atem. Lächelnd setze ich mich an den Rand des Geschehens und bemerke, wie mein Gesicht zur Maske erstarrt.


In mich Afrika zu lesen macht mich zum Mangelmenschen.

Deutsche, die mich andern indem sie behaupten, sie könnten aufgrund meiner Erscheinung unterstellen, ich seie fremd, ich hätte Wurzeln in etwas ausserhalb Deutschlands sehen sich selbst als homogene Gruppe. Da kann ich noch so viel argumentieren. Und das in Deutschland angewandte Abstammungsprinzip gibt ihnen da Recht.
Vor ein paar Jahren tauchte der Begriff „Bio-Deutsche“ auf. Wieder ein Versuch, ein „Anders“ herzustellen. Ein Versuch, den Begriff „Migrationshintergrund“ zu umgehen. Das ist Unfug für mich. Wieder ein Versuch, zu unterscheiden zwischen Menschen, die nicht so aussehen, wie es dem ArierNormblatt entspricht und Menschen wie mir: Schwarzen Deutschen. Menschen wie ich, die im rassistischen System bestimmte Privilegien nicht haben. Denn ich bin dem Abstammungsprinzip nach Deutsche. Dennoch bedarf es regelmässigen Kämpfen mit Schulleiter_innen und Kindergartenleiter_innen klar zu stellen, das meine Kinder keiner Integrationsleistung bedürfen.
Auch wenn ich Vorfahren in Litauen habe, ist mir Litauen fremd. Zum Glück begegne ich nicht dauernd Menschen, die mir sagen, „Wenn Du nichts über Litauen und seine Knechtschaft unter der UDSSR weisst, dann leugnest Du einen Teil von Dir.“
Afrika ist etwas, das in erster Linie in mich hinein gelesen wird. Aufgrund meines Aussehens. Ich aber habe keine „fremden Wurzeln“. Das ich mich für afrikanische Geschichte interessiere hat damit zu tun, dass afrikanische Geschichte permanent falsch dargestellt wird. Damit werden mir Attribute eingeschrieben, die ich so nicht stehen lassen will. 2 Ebenen also: a) ich werde geandert als „Du gehörst (ein Teil von Dir gehört) zu Afrika“. b) Afrika ist so und so. Ich widerspreche beiden, unabhängig von einander.

klar interessiert mich Schwarze Deutsche Geschichte. Und klar interessiert mich Schwarze afrikanische Geschichte. Dank, soweit ich weiss, afroamerikanischer Bemühungen gibt es inzwischen auch so einiges. Leider bislang wohl in Englisch. Ich will die breite Palette: von Malbüchern über Kinderbücher über Mangas und Animes bis hin zu Schulbüchern und Nachschlagewerken alles zu Schwarzer Geschichte weltweit.
Ich will die Schwarzen König_innen so gut kennen(lernen), wie ich Drosselbart kenne und den Froschkönig.

Schwarze Geschichte ist also kein Problem, das bedeutet aber noch lange nicht, das es da einen inneren Bezug gäbe. Oder ein Zugehörigkeitsgefühl. Ich liebe weder irgendein Land noch bin ich stolz auf irgendein Land noch liebe ich irgendwelche Objekte. Elefanten sind mir nicht näher als Wale. Mir ist irgendetwas aus Kenia nicht näher als CocaCola oder Popcorn.

Es geht nicht darum, nicht zu wissen, aus welchem Land ein Familienangehöriger kommt, sondern darum, das kein Bezug zu dem Land besteht, wenn das nicht über ein persönliches kennen eines Menschen geschieht.
Natürlich kann ich mir viel Wissen aneignen, über jedes Land auf der Welt, aber Wissen ist noch kein Bezug.
Und ein nicht Wissen einen „fehlenden Teil“ der Identität zu nennen finde ich echt hart. Das würde bedeuten, ich hätte eine unvollständige Identität, als wäre ich ein Mensch mit einer Lücke.
Wenn ich sage, ich habe keine anderen Einflüsse, dann ist das erst mal eine Beschreibung der äusseren Umstände. Das heisst nicht, das ich keine haben möchte, dass heisst nur, dass nichts, das nicht deutsch ist, mich beeinflusst hat.
Das ist nicht unehrlich.
Es ist echt schade, dass es so schwierig scheint, das zu verstehen oder zu akzeptieren. Ich sage, ich habe da nichts und das ist noch kein Mangel. In mir läutet nichts, wenn ich Kenia sage, und auch nichts, wenn ich Schweden oder Ghana oder China oder Liberia sage.
Ich wurde nicht be-ein-druckt durch etwas anderes als meine deutschen Bezüge.
Ich möchte das nicht vorgeworfen bekommen. Und ich möchte auch nicht, das ich dadurch als jemand definiert werde, der das entschieden hat. Und ich möchte auch nicht, das mir ein minus, ein Mangel unterstellt wird.

Wenn mir jemand sagt:“Da muss doch noch etwas sein“, dann bezieht er das auf meinen leiblichen Vater. Weil er mir anzusehen ist. Wäre er weiss gewesen, dann hätte ich keine derartige Zuschreibung erfahren. Dann hätte niemand gesagt, Du musst Deutsch + sein. Wenn ich das dann dieses + nicht fülle, dann wird da ein Mangel unterstellt.

Ich bin Deutsch, da ich aber keine familiären Kontakte zu meinen Vorfahren aus der Heimat meines Vaters habe nicht deutsch + (etwas) bin. Daher habe ich (noch) keine „Vorfahren, die in mir und durch mich weiterleben“. Daher kann ich mich nicht darüber definieren. Es ist schmerzhaft, darauf verwiesen zu werden. Damit wird mir ein Mangel unterstellt. Mir wird aber kein Mangel an Identität zu meinen Litauischen Vorfahren suggeriert. Wenn an mich, weil ich Schwarz bin, Maßstäbe angelegt werden, die für andere Deutsche nicht gelten, dann wird mir etwas schlecht. Die Verletzung entsteht, wenn meine Sicht meines Ich-seins nicht OK genug ist. Wenn ich keine Chance habe, gehört zu werden. Wäre cool, wenn meine Identifikation mit Deutschland ohne Afrika nicht in Frage gestellt würde.

Da schliesst sich an, weshalb ich meine weissgelesene Tochter als Schwarze Deutsche bezeichne: Sie wird geandert. Ihr wird unterstellt, sie seie nicht originär zugehörig. Dieses Erleben eint sie mit uns. Rassismuserfahrung ist auch hier der gemeinsame Nenner. Das ist etwas, das sie – weissgelesen – erlebt, eine weisse Mutter Schwarzer Kinder aber nicht. Der weissen deutschen Frau wird vielleicht unterstellt, sie habe eine unangemessene Entscheidung getroffen, nicht aber, sie würde nicht zum (imaginären, homogenen, weissen) Kollektiv gehören. Die weisse Mutter verliert nicht ihre weissen Privilegien,
(hier nur ein ganz paar:
– kann mit vollem Mund reden (sich von kulturellen inländischen Verhaltensnormen abweichend verhalten) ohne dass Menschen das auf die Hautfarbe/ auf das übliche Verhalten von Menschen ihrer Herkunft zurückführen.
-kann fluchen, Kleidung aus zweiter Hand anziehen, Briefe nicht beantworten, ohne dass Menschen diese Entscheidungen auf die schlechte Moral, die Armut oder die Analphabetenrate Menschen ihrer Herkunft zurückführen. – kann in einer schwierigen Situation gut abschneiden, ohne eine Ehre für meines Phänotyp genannt zu werden.
– wird nie gebeten, für alle Menschen des eigenen Phänotyps zu sprechen.
– kann Sprachen und Gebräuche der People of Color unbeachtet lassen, ohne in ihrer Kultur eine Strafe für solche Vergessenheit zu spüren.)
(Peggy McIntosh)
Diese Privilegien hat meine Tochter spätestens dann nicht, wenn klar wird, dass ich ihre Mutter bin. Andere hat sie. Sie kann sicher sein, Menschen ihres Hauttyps in Medien differenziert dargestellt zu sehen. etc.
Diese Aussage ist erst mal unabhängig davon, wie wir dann damit umgehen. Völlig egal, ob wir sagen, ich rede aber doch mit vollem Mund, betreibe Haarpflege öffentlich oder was auch immer, für uns ist es eine Entscheidung, dies zu tun, OBWOHL wir WISSEN, das wir kategorisiert werden. Wenn wir öffentlich laut sind, wenn wir öffentlich aggressiv sind, etc. wissen wir immer darum, das neben dem, dass wir uns Räume erobern, wir daran auch als „die“ gemessen werden. Es ist eben auch ein erobern von Räumen. Das bräuchten wir nicht, wenn wir nicht geandert würden. Ich zitiere Jemanden: „dem gemeinsamen Kampf eine Basis geben, die es dem Rassismus nicht mehr erlaubt, die Rassismusbetroffenen voneinander zu trennen.“ Meine Tochter ist Rassismusbetroffene. Strukturell und konkret persönlich. Das ist die weisse Mutter nicht.


nicht weiss ist nicht_weiss ist nicht_weiss

Aufgrund einer Formulierung wird mir gerade klar, was mich stört an dem Braun/Mixed-Konzept:
Mensch kann sich nicht als von_Rassismus und nicht_von_Rassismus_betroffen definieren.
Das ist wie ein_bisschen_schwanger.
Mensch kann vielleicht sagen: „Ich habe es leichter als jemand dessen Hautfarbe noch dunkler ist als meine“, aber da wären schon mitten in Oppression-Olympics.
Mensch kann sich zwar als ’schwarz und weiss‘ definieren, aber nicht als ‚Schwarz und weiss‘
Schwarz als politisches Konzept hat nichts mit dem Hautton der Person zu tun.
Schwarz bedeutet politisch nicht mehr als: ‚Gehört zur Gruppe derer, die nicht_weiss sind‘.
Diese Grundlage ist deshalb wichtig, weil sie Spielfelder beschreibt.
white privilege exists und das lässt sich nicht dadurch ändern, ob einzelne böse Akte nach Hautton gestaffelt mehr oder weniger häufig vorkommen.
Privilegien weisser Menschen existieren, diese unverdiente Macht und die unverdient bevorzugte Behandlung wird weissen Menschen erteilt. (Wer nachlesen möchte, worum es sich dabei handelt, möge doch bitte bei sanczny schauen) Und all die Menschen, die nicht am anderen Ende der phänotypischen Scala stehen, die in irgendeiner Form in der Hirarchie „dazwischen“ sind, und dadurch gegebenenfalls hier und dort einen Teil der bevorzugten Behandlung erfahren, die von weissen aus der Schlange der ‚ganz_ganz_anders_vielleicht_nicht_mal_Menschen‘ etwas weiter nach vorne gerufen werden, die können versuchen, damit zu dealen, aber das bedeutet, dem Konzept Rassismus zuzustimmen. Nicht einmal es gut zu heissen, aber immerhin, wer vorrückt in der Schlange, di:er tritt aus, aus der Vereinigung derer, die nicht die vollen Rechte geniessen.
Ich verurteile nicht di:en Streikbrecher_in, der sich erpressen lässt, weil zuhause seine Kinder vor Hunger quaken und ich verurteile nicht den Houseslave, aber ich zeige auf, das diese dem Herrscher in die Hände spielen.
Existenzielle Not existiert, und Jede_r muss selbst entscheiden können, wie und wie sehr si:er sich damit auseinandersetzt. Es sind schon Menschen zerbrochen daran, und es sind auch welche an gebrochenem Herzen gestorben.

Wer nicht verstanden hat, welche Kategorien greifen, wenn Menschen einander begegnen, sondern glaubt(!) in einer indoktrinierenden Gesellschaft wären Menschen kategoriefreie, leere Tafeln, die sich dank persönlicher Souveränität unabhängig von dem System, dass sie umgibt, täglich neu erfinden könnten, kann dies nur mittels Nutzung von unverdienten Vorrechten oder Aufgrund von Ignoranz. Der Glauben an dieses sich selbst neu erfinden ist niedlich. Er ist verständlich. In einer Welt,die auf dem Mythos aufbaut, eine Tellerwäscherin könne Millionärin werden kann, muss sich jede selbst aussuchen dürfen, wer si:er ist. Und wer es nicht schafft, die eigenen Träume zu verwirklichen, hat halt einen Fehler gemacht.
Aber dieser Glaube negiert die Bedingungen, denen wir unterliegen. Die Abhängigkeiten, an die wir gebunden sind. X hat es geschafft, also ist es mir und Y auch möglich? Nein, leider nicht. Zu viele Faktoren sind Vorrausetzung für eine erfolgreiche Umsetzung eigener Wünsche, als dass wir ein Scheitern als persönliche Niederlage deklarieren dürften. Das Geschlecht, die Klassenzugehörigkeit, das Entsprechen körperlicher Normen sind inzwischen anerkannte Grössen. Der Phänotyp aber soll verschleiert werden. Weil seine Wirkmacht nötig ist im nationalistischen Kapitalismus.

Meinem Kind zu sagen, es seie nicht Schwarz sondern mixed würde ihm nicht helfen, zu verstehen, weswegen es diese Privilegien nicht hat. Wenn ich meinem Kind sage, dass es Schwarz ist, leugne ich nicht, dass Teile seiner Vorfahren weiss sind. Ich bereite es vor auf eine Welt, in der sein Phänotyp nicht nicht wahrgenommen wird. Denn diese Tatsache existiert, ob uns das behagt oder nicht. Ich gebe ihm Worte, für die Gefühle, die es wahrnimmt.
Ich bereite es vor auf eine Welt, in der die Kategorie Rassismus eines der Kriterien sein wird, nach denen es beurteilt wird. Denn mein Kind ist nicht weiss. Es hat weisse Vorfahren und nicht_weisse, und das ist immer nicht_weiss.
Dennoch erkläre ich ihm noch nicht den grossen Überbau, unter dem es lebt.
Ich glaube fast, ich erkläre meinem Kind nicht die politische Bedeutung von Schwarz, weil ich es nicht so früh auf die Trost- und Hoffnungs- und Auswegslosigkeit der Kategorie hinweisen will.


Was zu tun und was zu lassen ist als gute Bündnispartner

1. Lenke nicht vom eigentlichen Diskussionsthema ab. Auch wenn es für Dich persönlich unangenehm ist, Thema X zu diskutieren, es geht nicht um Dich und Dein Wohlbehagen. Es geht um Thema X, und es steht Dir absolut frei, Dich herauszuhalten, nicht jedoch, andere Menschen von der Fortsetzung ihrer Gespräch abzuhalten.

2. Lies die Links / Bücher auf die in der Diskussion verwiesen wurden. Und auch wenn die Dinge, die Du erfährst, verursachen, das Du Dich unwohl fühlst, Ein_e gute_r Verbündete_r zu sein,bedeutet nicht, sich in einer angenehmen Komfortzone aufzuhalten. Deine innere Abwehrhaltung musst Du schon selbst aufgeben.

3. Erwarte nicht, dass Deine Gefühle Priorität in einer Diskussion über X Problem haben.
Oft benutzen Menschen das Ton-Argument, weil ihre Gefühle durch die Art und Weise, in der eine Nachricht zugestellt wurde, verletzt werden. Wenn Du jemandem auf den Fuß getreten bist, und jemand fordert Dich auf, herunter zu gehen, dann ist die Antwort „Bitte netter darum “ nicht richtig. Zunächst einmal warst Du im Unrecht.

4. Mund halten und zuhören. Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig es ist, Menschen zuzuhören, die selbst von Erlebnis X betroffen sind. Es gibt kaum etwas unschöneres, als wenn jemand Betroffenen gegenüber (gut gemeint) darauf besteht, dass sie/er die Lösung gefunden hat, auch wenn sie/er die X-Erfahrung nie selbst gemacht hat. Du kannst natürlich Vorschläge machen, aber sei nicht überrascht, wenn diese Ideen nicht gut sind, weil Du die Situation aus der anderen Perspektive betrachtet hast.

5. Spiele nicht Olympiade der Unterdrückten. In der Mitte eines Gesprächs über Rassismus ist nicht die Zeit, darüber zu schwadronieren, wie schwer es ist, zB eine weiße Frau zu sein. Das Du in einem Bereich unterdrückt bist, bedeutet nicht, dass Du kein Privileg in einem anderen Bereich hast. Begriffe wie Intersektionalität und Kyriarchie gibt es aus einem Grund. Also … das ist Ablenkung. Hör auf.

6. Überprüfe Deine Privilegien. Das ist schwer und das ist oft unangenehm, aber es ist wirklich notwendig. Und Du wirst dabei Dinge falsch machen. Denn niemand ist perfekt. Aber ein Teil des Bündnispartner-seins ist die Bereitschaft zu hören, dass du es falsch machst.

7. Erwarte keinen Passierschein in sichere Räume, weil Du Dich Bündnispartner nennst. Du bekommst nicht dadurch ein Recht auf Zugang, dass Du Dich nicht wie ein [ hier Schimpfwort einsetzen ] benimmst. Manchmal geht es einfach nicht um Dich oder darum, was Du denkst, was geschehen sein sollte. Deine Privilegien fallen nicht weg, wenn Du Verbündete_r geworden bist. Es gibt innergemeinschaftlichen Gespräche, die ihren Platz frei vom Blick Privilegierter brauchen.

8. Sei bereit, Dich gegen Bigotterie zu erheben. Auch wenn alles, was Du tust, ist, einem Freund zu sagen, dass das, was sie gerade über die marginalisierte Gruppe X gesagt haben, nicht akzeptabel ist, damit hast Du etwas von der eigentlichen Arbeit des ‚ein Bündnispartner sein‘, geleistet.

9. Benutze Menschen nicht, als wären sie symbolische Accessoires oder Maskottchen. Du bekommst keine CoolnessPunkte dafür eine Gruppe von Freunden zu haben, die verschiedenen Phänotypen zugeordnet werden. Du fällst sogar unangenehm damit auf, wenn Du versuchst, diesen Umstand als Freifahrtschein zu verwenden, um Dir wie ein_e selbstgefällige_r  Geck auf die Schulter zu klopfen.

10. Versuche es weiter. Unablässig. Der Kampf gegen Bigotterie ist ein Krieg, keine einzelne Schlacht und er währt über Generationen. Also, halte Deine Ziele realistisch, Deinen Geist offen, und Dein Herz an der richtigen Stelle. (Und Pausen für emotionale, finanzielle, körperliche Erholung sind Not-wendig). Am Ende werden wir es schaffen.

Übersetzung des Textes “ the do’s and don’ts of beeing a good ally
von karnythia
– Sehen Sie mehr unter: http://theangryblackwoman.com/2009/10/01/the-dos-and-donts-of-being-a-good-ally/#sthash.03RCXhDs.dpuf


Rassismus den Spiegel (16 x ja sagen)

 

  • Weiße Privilegien existieren.
  • Weiße Privilegien zu hassen ist nicht das gleiche wie weisse Menschen zu hassen.
  • Trennung oder Spaltung wird nicht dadurch hervorgerufen, das Menschen mit Rassismuserfahrung Schutzräume betreten .
  • Positionen umzudrehen bringt weder Klarheit in ein Thema, noch bedeutet es, dass dadurch einander entsprechende Analogien erstellt werden.
  • Menschen haben Anspruch auf ihre eigenen Gefühle und auf den Ausdruck derselben. Die Erfahrungen und Gefühle von Menschen als übertrieben und unsachlich abzutun ist nicht hilfreich in der Diskussion um Rassismus.
  • Selbstverteidigung als Antwort auf Fragen oder Aussagen von Schwarzen Menschen/PoC bezüglich des Themas Rassismus ist das Nutzen eines Privilegs.
  • Empowerment durch Schwarze Menschen und PoC anzustreben ist nicht das gleiche wie weiße Menschen entrechten.
  • Rassismus ist mehr als “ einzelne, boshafte Taten.“
  • Ein Anspruch darauf, als Anti-Rassistisch wahrgenommen zu werden kann nicht auf der Existenz von eine_r Schwarzen oder PoC Freund_in/Frau*/Mann*/Kinder_n basieren.
  • Wenn Du um Entschuldigung bitten möchtest, dann kannst Du sagen, dass es Dir leid tut und dann die Klappe halten. Keine Rationalisierung , keine lange Erklärung über die Absicht, keine berufen auf „di:en schwarze_n Freund_in“ der Dein Vorgehen duldet oder sogar gutheisst. Und dann an der Veränderung arbeiten.
  • Im Mittelpunkt der Anti -Rassismus-Arbeit muss die Wirkung stehen, nicht die Absicht.
  • Das feiern von  „Multikulturalismus“ befasst sich nicht mit Rassismus.
  • People of Color sind nicht für die Bildung von weißen Menschen verantwortlich. Auch nicht für die Anti-Rassistische Bildung.
  • Es geht nicht immer nur um Dich.
  • Eine Erfahrung, die Du als weisse Person gemacht hast, und von der Du glaubst, dass sie einer Erfahrung von einer Schwarzen Person ähnlich ist, ist kein gültiger Beweis dafür, dass Rassismus nicht oder gegenseitig existiert.
  • “ Anti- Rassismus “ existiert nicht ohne Aktion.Übersetzung des im Original englischen Textes

was sie sagt

„Nutze deine Chance“

sagt sie,

„Wenn Du Dich hier anstrengst,

dann kannst Du wer sein.

Nicht mehr Hartz4,

ich biete Dir

ein angesehenes Leben.

Du musst nur fleissig tun,

was ich sage,“

sagt sie,

und „ich verspreche Dir,

niemand wird mehr auf dich herabsehen.

Ich staffiere Dich aus

mit allem, was Respekt verschafft,

dann ist deine Hautfarbe ganz egal.“

„Pass dich an“,

sagt sie,

„halte den Rasen kurz und zupf das Unkraut aus,

dann sag ich den Nachbarn, dass du genau wie wir bist,

genau wie eine weisse.“


Tabelle: Formen von subtilem Rassismus

Eine übersichtliche und aufschlussreiche Tabelle, die ich bei Understanding Prejudice: http://www.understandingprejudice.org/ fand:

 

 

Name Primärquelle Beschreibung der Haupteigenschaften
Symbolischer
Rassismus
Kinder & Sears (1981); McConahay & Hough (1976); Sears (1988) Symbolische RassistInnen lehnen den alten Rassismus-Stil ab, aber äußern indirekt noch immer Vorurteile (z.B. als Opposition zu Regelungen, die Rassenminderheiten helfen).
Ambivalenter
Rassismus
Katz (1981) Ambivalente RassistInnen erleben einen emotionalen Konflikt zwischen positiven und negativen Gefühlen gegenüber stigmatisierten Rassengruppen.
Moderner
Rassismus
McConahay (1986) Moderne RassistInnen erachten Rassismus als falsch, aber betrachten Rassenminderheiten als Gruppen, die ungerechtfertigte Ansprüche stellen oder zu viele Ressourcen erhalten.
Aversiver
Rassismus
Gaertner & Dovidio (1986) Aversive RassistInnen glauben an egalitäre Prinzipien, wie Gleichheit der Rassen, aber sie hegen persönliche Aversionen gegen Minoritäten.

Kinderbuch Debatte Blackface ARD Literatur N-Wort Zensur Rassismus Afrika Deutschland Berlin RADIO CORAX HALLE Black History Month Berlin 2013 RASSISMUS UND MEDIEN

AFROTAK TV cyberNomads Afrika Deutschland Medien Archiv BLACK GERMAN MEDIA MAGAZINE - Schwarze Deutsche Bildung Kultur Medien Kunst Literatur ARCHIV - Pan Afrika Fernsehen

Vielleicht haben Sie ja mitbekommen, dass seit ein paar Wochen in den Kulturmagazinen der öffentlich rechtlichen über Kinderbücher gesprochen wird. Also vielmehr darüber, ob man rassistische Begriffe aus Kinderbüchern entfernen darf oder verändern.
Die Krönung der merkwürdigen Auseinandersetzung lieferte der Literaturkritiker Dennis Scheck in der ARD. Der hat nämlich in seiner Sendung Druckfrisch nicht nur die Idee verteufelt, das N-Wort zu streichen oder zu ersetzen. Sonder sich dafür auch gleich das Gesicht schwarz angemalt. Das so genannte Blackfacing ist eine klar rassistische Karrikatur schwarzer Menschen. In der Debatte um die Rassismen in Kinderbüchern kommen vor allem Menschen zu Wort, die sich nicht beleidigt fühlen durch zum Beispiel das N-Wort.

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Danielle Boodoo-Fortuné

Trinidadian poet and artist

The Mixedbetweener

In Between Cultures, Languages and Identities and More...

Wer andern einen Brunnen gräbt

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