Archiv der Kategorie: Sexismus

Tanzen können wir alle


Wie ich mich stosse an den engen, harten Maschen, in die ich mich einst zurückgezogen habe.  Ich tanze in der Küche, wenn ich allein bin. Grazil und kraftvoll. Wenn ich in Gesellschaft bin, bin ich unbeholfen. Mein Körper eckt an, an die Gesetze des Blicks, den ich spüre, an die Worte, die mich bannten. „Natürlich kann sie tanzen, als Schwarze hat sie das im Blut.“
„Wenn sie gut tanzen kann, dann ist sie auch gut im Bett“ flüstern sie, raunen sie, nein, sie sagen es mir laut ins Gesicht. Sie grinsen und reiben sich an mir und lassen mich zurückweichen. Ich stolpere und falle. Meine Füsse verweigern ihren Dienst. Tollpatschig gerate ich ausser Atem. Lächelnd setze ich mich an den Rand des Geschehens und bemerke, wie mein Gesicht zur Maske erstarrt.

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Eine Milliarde steht auf oder saufen für den Weltfrieden

Ich war nicht bei „One Billion Rising“.

Ich hätte gehen können, ich hätte den Mann bei den Kindern lassen können und wäre einfach in den Zug gestiegen und nach D. oder K. gefahren, zum Platz an dem sich ganz viele Frauen treffen.Ich hätt da stehen können und einfach zugucken, oder ich hätt versuchen können, mit Anderen in’s Gespräch zu kommen.

Ich hab mich aber unwohl gefühlt, bei dem Gedanken. Der Vereinigung des unsäglichen Videos fühlte ich mich nur stellvertretend zugehörig.

Die Gewalterfahrungen, der Sexismus, den ich erlebte und erlebe will ich nicht durch einen Tanz verharmlosen. Die Rollenzuschreibung, die Erwartungshaltung, die mir in der MainstremGesellschaft sprich: im patriarchalen System entgegenschlägt kann ich durch einen Tanz nicht brechen, nicht mal anprangern.

Natürlich ist es richtig, das Jede ihre Erfahrung individuell bearbeiten muss, wenn sie nicht im Schmerz liegenbleiben will. Natürlich verstehe ich den Anspruch, der Gewalt ‚etwas empowerndes entgegenzusetzen‘. Aber es fühlt sich falsch an. Als wäre mir ein Vermögen gestolen, ich aber würde nun meine Faust um die verbliebenen Cent ballen und fröhlich rufen:“Ich komm klar, macht mir doch nichts.“

Es fühlt sich an wie das Pfeifen im dunklen Walde. Es klingt wie die Aufforderung, „es nicht so eng zu sehen“, „drüber hinweg zu kommen“, „sich nicht unterkriegen zu lassen“. Es fühlt sich gar nicht an wie etwas, das meine Erfahrung ernst nimmt.

Wo hätte ich zeigen können, dass es kein zurück gibt, das die Erfahrung der Gewalt unumkehrbar verändert?  Wo ist der Hinweis auf die Ursachen? Wo ist die Analyse? Natürlich: Es wäre kein Mainstream-Event geworden, wenn Frauen die bestehenden Herrschaftsstrukturen in Frage gestellt hätten. Es wären mal wieder nur n paar Emanzen gewesen.

Aber ebensowenig, wie ich nicht tanzen kann gegen Hunger in der Welt, aber Konzerne, Politiker und ausbeuterische Strukturen unerwähnt lassen, kann ich nicht lächeln gegen Gewalt.

Der Sexismus, den ich erlebe, kommt nicht vor.


Danielle Boodoo-Fortuné

Trinidadian poet and artist

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