Schlagwort-Archive: Gesellschaft

Tanzen können wir alle


Wie ich mich stosse an den engen, harten Maschen, in die ich mich einst zurückgezogen habe.  Ich tanze in der Küche, wenn ich allein bin. Grazil und kraftvoll. Wenn ich in Gesellschaft bin, bin ich unbeholfen. Mein Körper eckt an, an die Gesetze des Blicks, den ich spüre, an die Worte, die mich bannten. „Natürlich kann sie tanzen, als Schwarze hat sie das im Blut.“
„Wenn sie gut tanzen kann, dann ist sie auch gut im Bett“ flüstern sie, raunen sie, nein, sie sagen es mir laut ins Gesicht. Sie grinsen und reiben sich an mir und lassen mich zurückweichen. Ich stolpere und falle. Meine Füsse verweigern ihren Dienst. Tollpatschig gerate ich ausser Atem. Lächelnd setze ich mich an den Rand des Geschehens und bemerke, wie mein Gesicht zur Maske erstarrt.

Advertisements

nicht weiss ist nicht_weiss ist nicht_weiss

Aufgrund einer Formulierung wird mir gerade klar, was mich stört an dem Braun/Mixed-Konzept:
Mensch kann sich nicht als von_Rassismus und nicht_von_Rassismus_betroffen definieren.
Das ist wie ein_bisschen_schwanger.
Mensch kann vielleicht sagen: „Ich habe es leichter als jemand dessen Hautfarbe noch dunkler ist als meine“, aber da wären schon mitten in Oppression-Olympics.
Mensch kann sich zwar als ’schwarz und weiss‘ definieren, aber nicht als ‚Schwarz und weiss‘
Schwarz als politisches Konzept hat nichts mit dem Hautton der Person zu tun.
Schwarz bedeutet politisch nicht mehr als: ‚Gehört zur Gruppe derer, die nicht_weiss sind‘.
Diese Grundlage ist deshalb wichtig, weil sie Spielfelder beschreibt.
white privilege exists und das lässt sich nicht dadurch ändern, ob einzelne böse Akte nach Hautton gestaffelt mehr oder weniger häufig vorkommen.
Privilegien weisser Menschen existieren, diese unverdiente Macht und die unverdient bevorzugte Behandlung wird weissen Menschen erteilt. (Wer nachlesen möchte, worum es sich dabei handelt, möge doch bitte bei sanczny schauen) Und all die Menschen, die nicht am anderen Ende der phänotypischen Scala stehen, die in irgendeiner Form in der Hirarchie „dazwischen“ sind, und dadurch gegebenenfalls hier und dort einen Teil der bevorzugten Behandlung erfahren, die von weissen aus der Schlange der ‚ganz_ganz_anders_vielleicht_nicht_mal_Menschen‘ etwas weiter nach vorne gerufen werden, die können versuchen, damit zu dealen, aber das bedeutet, dem Konzept Rassismus zuzustimmen. Nicht einmal es gut zu heissen, aber immerhin, wer vorrückt in der Schlange, di:er tritt aus, aus der Vereinigung derer, die nicht die vollen Rechte geniessen.
Ich verurteile nicht di:en Streikbrecher_in, der sich erpressen lässt, weil zuhause seine Kinder vor Hunger quaken und ich verurteile nicht den Houseslave, aber ich zeige auf, das diese dem Herrscher in die Hände spielen.
Existenzielle Not existiert, und Jede_r muss selbst entscheiden können, wie und wie sehr si:er sich damit auseinandersetzt. Es sind schon Menschen zerbrochen daran, und es sind auch welche an gebrochenem Herzen gestorben.

Wer nicht verstanden hat, welche Kategorien greifen, wenn Menschen einander begegnen, sondern glaubt(!) in einer indoktrinierenden Gesellschaft wären Menschen kategoriefreie, leere Tafeln, die sich dank persönlicher Souveränität unabhängig von dem System, dass sie umgibt, täglich neu erfinden könnten, kann dies nur mittels Nutzung von unverdienten Vorrechten oder Aufgrund von Ignoranz. Der Glauben an dieses sich selbst neu erfinden ist niedlich. Er ist verständlich. In einer Welt,die auf dem Mythos aufbaut, eine Tellerwäscherin könne Millionärin werden kann, muss sich jede selbst aussuchen dürfen, wer si:er ist. Und wer es nicht schafft, die eigenen Träume zu verwirklichen, hat halt einen Fehler gemacht.
Aber dieser Glaube negiert die Bedingungen, denen wir unterliegen. Die Abhängigkeiten, an die wir gebunden sind. X hat es geschafft, also ist es mir und Y auch möglich? Nein, leider nicht. Zu viele Faktoren sind Vorrausetzung für eine erfolgreiche Umsetzung eigener Wünsche, als dass wir ein Scheitern als persönliche Niederlage deklarieren dürften. Das Geschlecht, die Klassenzugehörigkeit, das Entsprechen körperlicher Normen sind inzwischen anerkannte Grössen. Der Phänotyp aber soll verschleiert werden. Weil seine Wirkmacht nötig ist im nationalistischen Kapitalismus.

Meinem Kind zu sagen, es seie nicht Schwarz sondern mixed würde ihm nicht helfen, zu verstehen, weswegen es diese Privilegien nicht hat. Wenn ich meinem Kind sage, dass es Schwarz ist, leugne ich nicht, dass Teile seiner Vorfahren weiss sind. Ich bereite es vor auf eine Welt, in der sein Phänotyp nicht nicht wahrgenommen wird. Denn diese Tatsache existiert, ob uns das behagt oder nicht. Ich gebe ihm Worte, für die Gefühle, die es wahrnimmt.
Ich bereite es vor auf eine Welt, in der die Kategorie Rassismus eines der Kriterien sein wird, nach denen es beurteilt wird. Denn mein Kind ist nicht weiss. Es hat weisse Vorfahren und nicht_weisse, und das ist immer nicht_weiss.
Dennoch erkläre ich ihm noch nicht den grossen Überbau, unter dem es lebt.
Ich glaube fast, ich erkläre meinem Kind nicht die politische Bedeutung von Schwarz, weil ich es nicht so früh auf die Trost- und Hoffnungs- und Auswegslosigkeit der Kategorie hinweisen will.


Was zu tun und was zu lassen ist als gute Bündnispartner

1. Lenke nicht vom eigentlichen Diskussionsthema ab. Auch wenn es für Dich persönlich unangenehm ist, Thema X zu diskutieren, es geht nicht um Dich und Dein Wohlbehagen. Es geht um Thema X, und es steht Dir absolut frei, Dich herauszuhalten, nicht jedoch, andere Menschen von der Fortsetzung ihrer Gespräch abzuhalten.

2. Lies die Links / Bücher auf die in der Diskussion verwiesen wurden. Und auch wenn die Dinge, die Du erfährst, verursachen, das Du Dich unwohl fühlst, Ein_e gute_r Verbündete_r zu sein,bedeutet nicht, sich in einer angenehmen Komfortzone aufzuhalten. Deine innere Abwehrhaltung musst Du schon selbst aufgeben.

3. Erwarte nicht, dass Deine Gefühle Priorität in einer Diskussion über X Problem haben.
Oft benutzen Menschen das Ton-Argument, weil ihre Gefühle durch die Art und Weise, in der eine Nachricht zugestellt wurde, verletzt werden. Wenn Du jemandem auf den Fuß getreten bist, und jemand fordert Dich auf, herunter zu gehen, dann ist die Antwort „Bitte netter darum “ nicht richtig. Zunächst einmal warst Du im Unrecht.

4. Mund halten und zuhören. Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig es ist, Menschen zuzuhören, die selbst von Erlebnis X betroffen sind. Es gibt kaum etwas unschöneres, als wenn jemand Betroffenen gegenüber (gut gemeint) darauf besteht, dass sie/er die Lösung gefunden hat, auch wenn sie/er die X-Erfahrung nie selbst gemacht hat. Du kannst natürlich Vorschläge machen, aber sei nicht überrascht, wenn diese Ideen nicht gut sind, weil Du die Situation aus der anderen Perspektive betrachtet hast.

5. Spiele nicht Olympiade der Unterdrückten. In der Mitte eines Gesprächs über Rassismus ist nicht die Zeit, darüber zu schwadronieren, wie schwer es ist, zB eine weiße Frau zu sein. Das Du in einem Bereich unterdrückt bist, bedeutet nicht, dass Du kein Privileg in einem anderen Bereich hast. Begriffe wie Intersektionalität und Kyriarchie gibt es aus einem Grund. Also … das ist Ablenkung. Hör auf.

6. Überprüfe Deine Privilegien. Das ist schwer und das ist oft unangenehm, aber es ist wirklich notwendig. Und Du wirst dabei Dinge falsch machen. Denn niemand ist perfekt. Aber ein Teil des Bündnispartner-seins ist die Bereitschaft zu hören, dass du es falsch machst.

7. Erwarte keinen Passierschein in sichere Räume, weil Du Dich Bündnispartner nennst. Du bekommst nicht dadurch ein Recht auf Zugang, dass Du Dich nicht wie ein [ hier Schimpfwort einsetzen ] benimmst. Manchmal geht es einfach nicht um Dich oder darum, was Du denkst, was geschehen sein sollte. Deine Privilegien fallen nicht weg, wenn Du Verbündete_r geworden bist. Es gibt innergemeinschaftlichen Gespräche, die ihren Platz frei vom Blick Privilegierter brauchen.

8. Sei bereit, Dich gegen Bigotterie zu erheben. Auch wenn alles, was Du tust, ist, einem Freund zu sagen, dass das, was sie gerade über die marginalisierte Gruppe X gesagt haben, nicht akzeptabel ist, damit hast Du etwas von der eigentlichen Arbeit des ‚ein Bündnispartner sein‘, geleistet.

9. Benutze Menschen nicht, als wären sie symbolische Accessoires oder Maskottchen. Du bekommst keine CoolnessPunkte dafür eine Gruppe von Freunden zu haben, die verschiedenen Phänotypen zugeordnet werden. Du fällst sogar unangenehm damit auf, wenn Du versuchst, diesen Umstand als Freifahrtschein zu verwenden, um Dir wie ein_e selbstgefällige_r  Geck auf die Schulter zu klopfen.

10. Versuche es weiter. Unablässig. Der Kampf gegen Bigotterie ist ein Krieg, keine einzelne Schlacht und er währt über Generationen. Also, halte Deine Ziele realistisch, Deinen Geist offen, und Dein Herz an der richtigen Stelle. (Und Pausen für emotionale, finanzielle, körperliche Erholung sind Not-wendig). Am Ende werden wir es schaffen.

Übersetzung des Textes “ the do’s and don’ts of beeing a good ally
von karnythia
– Sehen Sie mehr unter: http://theangryblackwoman.com/2009/10/01/the-dos-and-donts-of-being-a-good-ally/#sthash.03RCXhDs.dpuf


Rassismus den Spiegel (16 x ja sagen)

 

  • Weiße Privilegien existieren.
  • Weiße Privilegien zu hassen ist nicht das gleiche wie weisse Menschen zu hassen.
  • Trennung oder Spaltung wird nicht dadurch hervorgerufen, das Menschen mit Rassismuserfahrung Schutzräume betreten .
  • Positionen umzudrehen bringt weder Klarheit in ein Thema, noch bedeutet es, dass dadurch einander entsprechende Analogien erstellt werden.
  • Menschen haben Anspruch auf ihre eigenen Gefühle und auf den Ausdruck derselben. Die Erfahrungen und Gefühle von Menschen als übertrieben und unsachlich abzutun ist nicht hilfreich in der Diskussion um Rassismus.
  • Selbstverteidigung als Antwort auf Fragen oder Aussagen von Schwarzen Menschen/PoC bezüglich des Themas Rassismus ist das Nutzen eines Privilegs.
  • Empowerment durch Schwarze Menschen und PoC anzustreben ist nicht das gleiche wie weiße Menschen entrechten.
  • Rassismus ist mehr als “ einzelne, boshafte Taten.“
  • Ein Anspruch darauf, als Anti-Rassistisch wahrgenommen zu werden kann nicht auf der Existenz von eine_r Schwarzen oder PoC Freund_in/Frau*/Mann*/Kinder_n basieren.
  • Wenn Du um Entschuldigung bitten möchtest, dann kannst Du sagen, dass es Dir leid tut und dann die Klappe halten. Keine Rationalisierung , keine lange Erklärung über die Absicht, keine berufen auf „di:en schwarze_n Freund_in“ der Dein Vorgehen duldet oder sogar gutheisst. Und dann an der Veränderung arbeiten.
  • Im Mittelpunkt der Anti -Rassismus-Arbeit muss die Wirkung stehen, nicht die Absicht.
  • Das feiern von  „Multikulturalismus“ befasst sich nicht mit Rassismus.
  • People of Color sind nicht für die Bildung von weißen Menschen verantwortlich. Auch nicht für die Anti-Rassistische Bildung.
  • Es geht nicht immer nur um Dich.
  • Eine Erfahrung, die Du als weisse Person gemacht hast, und von der Du glaubst, dass sie einer Erfahrung von einer Schwarzen Person ähnlich ist, ist kein gültiger Beweis dafür, dass Rassismus nicht oder gegenseitig existiert.
  • “ Anti- Rassismus “ existiert nicht ohne Aktion.Übersetzung des im Original englischen Textes

Wir sind hier

Weil wir nicht zum erklären hier sind,
wollen sie, daß wir schweigen
wenn sie über uns sagen
was sie wollen.

Weil wir nicht zum diskutieren da sind,
sollen wir still verstehen,
wenn sie erklären,
in welchem Fall Rassismus gerechtfertigt ist.

Die, die nicht betroffen sind
wissen genau
was zulässig ist.
Schliesslich sind sie es,
die es zulassen.
So wie sie es wussten,
als sie uns mit der Peitsche erzogen.
Als sie uns klein hielten,
indem sie uns beschämten.
Als sie uns verlachten.
Als sie uns ignorierten.

Weil wir es nur falsch verstehen können,
wenn sie entwürdigende Worte benutzen,
ohne es erniedrigend zu meinen,
sollen wir es hinnehmen,
ohne es rassistisch zu nennen.

Weil wir nicht gemacht sind,
um uns zu beklagen,
sollen wir nicht jammern,
wenn sie auf der Tradition bestehen,
zu benennen,
wie sie es schon lange tun.

Die Tradition tut keinem weh,
sagen sie,
denn früher wusste man es nicht besser.

Früher,
als sie uns entwurzelten,
als sie uns ausstellten,
als sie uns kaum Almosen zugestanden,
als sie uns einander verkauften
und unsere exotisierten Körper anpriesen.

Sie wussten nicht,
dass wir Menschen sind.

Sie wissen nicht,
dass wir Menschen sind.

Aber wir schweigen nicht mehr.
Da ist keine Stille mehr um sie herum.
Es liegt ein Brausen in der Luft
und ein Säuseln in den Zweigen.
Von überall her sind die Stimmen zu hören,
die sich erheben zu einem wunderbaren Lied:

Hier sind wir, wir sind nicht still.


In Deinem Namen zusammenstehen

Lasst uns jetzt beieinander stehen.

Sie sollen nicht gewinnen.

Sie sollen nicht gewinnen mit ihrem Hass.

Sie sollen nicht gewinnen mit ihrer Unterstellung,

wir würden nun wie Tiere über sie herfallen.

Lasst uns jetzt unsere Sinne schärfen.

Lasst uns jetzt beieinander stehen,

mit geschärftem Sinn

Lasst uns jetzt voneinander lernen.

Lasst uns lernen,

wie wir überleben können

an Orten, die für uns gefährlich sind

weil sie sich schützen wollen

vor unseren leeren Händen.

Lasst uns jetzt lernen,

wie sie uns entzweien

um uns voreinander Angst zu machen,

Lasst uns ihnen zeigen,

das wir da sind.

Dass wir da sind und

dass wir bleiben.

Dass wir nicht mehr weg gehen.

Dass diese Welt uns gehört

ebenso wie ihnen.

Lasst uns jetzt beieinander sein.

Last uns das unfassbare zusammen begreifen.

Lasst uns die furchteinflössenden hohlen Phrasen miteinander hören,

während wir einander in die Augen sehen,

mit dem Wissen,

dass es jeden von uns hätte treffen können.

Lasst uns jetzt verstehen

wie sie uns belügen und

wie sie uns belügen und

wie sie uns BELÜGEN

(Halim Dener, N’Deye Mareame Sarr, Laye-Alama Condé,
Dominique Koumadio, Mohammad Selah, Adem Özdamar,
Dennis Jockel,Tennessee Eisenberg, Slieman Hamade,
Oury Jalloh, Christy Schwundek, Ousman Sey,
Dominique Kouamadiom, Achidi J. und viele andere)


my hair matters

Meine Haare waren viele Jahre kein Problem. Der Status der Exotic war gebändigt in twists, also in umeinander geschlungenen Haarsträhnen, die der gemeine Deutsche gern als „so ne Art Dreads, aber anders“ bezeichnete.

twists

twists

Nun habe ich aufgrund eines Haarworkshops und dem Anblick vieler wundervoller Afro’s die Haare gelöst, mit Feuchtigkeit versorgt und durchgekämmt. Das Ergebnis ist erschreckend: Ich bekomme zwar viel Zuspruch, aber ich bin zutiefst unglücklich. Meine Haare fliessen nicht einem Wasserfall gleich auf meine Schultern, ergiessen sich nicht auf meinen Rücken sondern stehen einer Wolke gleich flauschig von meinem Kopf ab.

nachher

Das wollte ich nicht, ich erinnere mich aber, das es schon einmal so war: bevor ich die twistst hatte. Ich habe verschiedene Pflegeprodukte ausprobiert, Öle, Butter, Conditioner, Kuren. All die Produkte führen dazu, dass ich erneut erschrecke beim Blick in den Spiegel. Es scheint, als müsse ich darauf verzichten, meinen Haaren Feuchtigkeit, also Fett zuzuführen. Aber, entgegen anderslautender Vermutungen waren sie ja auch nie trocken. Nur eben fein, unbändig,leicht zerzaust, wirr.

Die Haare wollen sich einfach nicht in Bündeln zusammenlegen und dann als Spirale von meinem Kopf hängen, sie wollen sich voneinander abstossen und sich als überdimensionierte Haarhaube positionieren. Aber auch das wäre erträglich, wenn sie dann zumindest eine Frisur wären, der leiseste Windhauch oder eine Bewegung meines Kopfes führt aber zu einer anderen, von mir unerwünschten Form.  Was ich möchte, ist weniger Volumen. Die Haare flusen um mein Gesicht herum. Sie legen sich vor meine Augen. Sie bleiben an meinem Gesicht kleben, wenn ich schwitze. Doofe Haare.

next daymit Pflegeprodukt

Ich bin in Deutschland aufgewachsen. Ich bin deutsch geprägt. Was diese afrikanisch-beeinflussten Haare von mir wollen, ist mir völlig unklar. Ich kannte in meiner Jugend nur Produkte für europäisches haar. Nun werde ich mich auf den Weg begeben müssen, etwas zu lernen, nämlich: ‚Haare, wie seid Ihr und was wollt ihr von mir?‘ Am einfachsten wäre es, ich würde sie wieder alle hübsch fein säuberlich verstauen und erneut eine gebändigte Frisur tragen, und ich denke täglich mehrmals darüber nach, aber ein bisschen reizt es mich auch, zu erfahren, was ‚being natural‘ für mich bedeuten könnte. Ganz sicher nicht selbstgefertigte kunstvolle Flechtfrisuren oder einen Watteballon aus Haaren, der im Winde tut was er will. Aber ich höre mich mir sagen: das ist wieder mein europäischer Blick auf mich und die Irritation über die Abweichung von der europäischen Norm. Freundschaft zu schliessen mit diesen feinen Locken fällt mir schwer. Wünscht mir Glück, ja?


Derailment Bingo

Derailment Bingo


Wenn Ihr wüsstet, was wir wollen

Der letzte Artikel, den ich hier schrieb, war mit Schmerz verbunden. Ich hatte mich geärgert über weisse Feministinnen (TM), die sich die Welt erklären, und mir sagen, wie ich zu meinem Recht komme. Spät erst verstand ich, was sie eigentlich gemeint hatten. Auch auf Twitter hatte ich hernach noch einige Denkanstösse nötig. Es hatte nicht das Ziel bestanden, schwarze Realität zu ignorieren, es war eben nicht genug, schwarze Frauen unter ferner liefen einzuordnen. Schwarze Frauen brauchen eine Sonderstellung wurde mir beigebracht. Ich fühlte mich dumm. Alles was sie sagten fühlte sich falsch an, aber sie wollten doch etwas besonders Gutes erreichen.

Dennoch, wieder war ich nicht eine von Vielen, eine unter Anderen, sondern ausgesondert.

Ich schrieb also an Grada Kilomba, die Verfasserin des Textes. Heute kam Ihre Antwort:

„Dear X,

thank you so much for writing me this message.
I am not aware of the discussions you are mentioning, but I am very happy to read your intervention. Indeed Black authors and authors of Color have to become more visible, noticed and quoted….“

 


Weisse machen sich ne Welt oder wie ich mal Nadine Lantzsch missverstand

Editiert

Weisse Frauen sollten schwarze Frauen nicht zitieren.Hab ich heute aufgeschnappt. [edit: Offenbar habe ich beim Aufschnappen einen Fehler gemacht: Ich habe nämlich die Aussage nicht im zugehörigen Zusammenhang verstanden.] Weil sie sich damit das Zitat „aneignen, es seinem Kontext entheben und es benutzen,[und so ein] rassistisches Machtverhältnis reproduzieren“.  [Es ging jedoch nicht um ein zitieren Schwarzer Frauen durch weisse an Sich, sondern um eines, das dabei unterschlägt, das Texte Schwarzer Frauen immer vor dem Hintergrund von Rassismuserfahrungen erstellt wurden. ]

Ich schrieb: Ich bin aufs äusserste uneinverstanden. Ich bin so empört, dass ich merkwürdige Satzkonstruktionen bauen muss.

Schwarze Frauen werden viel zu wenig gehört. Die Worte Schwarzer Frauen sollten viel mehr verbreitet werden. Und die Worte Schwarzer Frauen sind nicht allein als subjektive Äusserung zu deuten, sie sind universell. [Und falls ich es inzwischen besser verstanden habe, dann war hier mein Missverständniss:“als würden weiße Lesarten Kilomba erst zu Intersektionalität verhelfen, weil ihre Ausführungen ja auch auf andere Machtverhältnisse wie Klassismus übertragbar seien. das impliziert, dass Klassismus erstmal nichts mit Rassismus zu tun hat und daher eher spezifische weiße Erfahrungen wiedergibt. ich lese Kilomba bis heute nicht als anschlussfähig für intersektionales Denken, weil Intersektionalität in ihren Texten bereits eingeschlossen ist. Zitat: Nadine Latzsch]

Ich schrieb: Sie zu separieren ist gutgemeinter Rassismus. Ich schaudere bei der Vorgehensweise, uns erneut auszugrenzen. Ich erstarre und finde meinen Ausdruck nicht. Ich bin kein Sonderfall. Ich will nicht hinausdefiniert werden. Die Worte die wir sagen sind aus einer persönlichen Perspektive geschrieben, aber das sind sie immer, ob Schwarz oder weiss sie ausspricht. Da ist die Teilung, genau da, wo ich schreiben muss Ihr und Wir. Wir sind nicht diejenigen, die sagen, unsere Worte sind nur für uns und Ihr dürft sie nicht verstehen und nachempfinden und zitieren. So schliesst Ihr uns aus der Allgemeinheit aus.

[Tatsächlich war aber gemeint, dass nicht die weisse Sicht als der Massstab dargestellt sein sollte, denn es wäre eben nicht allgemeingültig, wenn es den dem Text zugrunde liegenden Rassismus unterschlüge. ]

Das ist sehr besonders Scheisse.

Das war also nicht so  gut, ich habe einen Textfitzel, ein,zwei FB-Kommentare gelesen und falsch verstanden. Ich fühlte mich hinausdefiniert. Panik. Die machen das schon wieder. Und ich darf dann nicht mitspielen. Und also erstmal rumgemeckert.  Doof, wenn ich damit Menschen verletzt haben sollte. Dafür bitte ich um Entschuldigung.  Speziell Nadine Lantzsch.

Ich schrieb: Ausser natürlich ich hätte noch nicht kapiert, dass es um Segregation geht und gewollt ist das wir uns entmischen. Dann könnt ich’s verstehen. Die Schwarzen rein erhalten und alles was ihnen gehört nicht berühren. Scheiss Rassentrennung. Ich kotz mal gepflegt. Dumme, dumme, dumme Stellvertreter_innenpolitik.

Für mich war das eine grandiose Gelegenheit etwas zu lernen. Und ich glaub, ich habs geschafft. Es fühlt sich an, als wäre da was aufgegangen. Yay, das beste Gefühl der Welt.  Dafür danke ich allen, die sich eingeschaltet haben und mir geduldig erklärten, das ich noch nicht ausrerichend differenziert gelesen hatt. Ihr seid toll.


Danielle Boodoo-Fortuné

Trinidadian poet and artist

The Mixedbetweener

In Between Cultures, Languages and Identities and More...

Wer andern einen Brunnen gräbt

Rassismuskritik//Empowerment//Globaler Kontext

Black America Web

Daily news and entertainment for African-Americans. Your one stop for all things Black America.

aufZehenspitzen

feminism and motherhood. yeah, it's a thing

Der Überblog - Ein idiot erklärt die Welt

Der ÜBERblog - Ein Idiot erklärt die Welt

Field Negro

My range of commentary is unlimited.

Style Visions

Fashion, thoughts, humour and more

Esther Siesta

Yoga, Inspiration und Texte von Esther Donkor