Schlagwort-Archive: Kultur

nicht weiss ist nicht_weiss ist nicht_weiss

Aufgrund einer Formulierung wird mir gerade klar, was mich stört an dem Braun/Mixed-Konzept:
Mensch kann sich nicht als von_Rassismus und nicht_von_Rassismus_betroffen definieren.
Das ist wie ein_bisschen_schwanger.
Mensch kann vielleicht sagen: „Ich habe es leichter als jemand dessen Hautfarbe noch dunkler ist als meine“, aber da wären schon mitten in Oppression-Olympics.
Mensch kann sich zwar als ’schwarz und weiss‘ definieren, aber nicht als ‚Schwarz und weiss‘
Schwarz als politisches Konzept hat nichts mit dem Hautton der Person zu tun.
Schwarz bedeutet politisch nicht mehr als: ‚Gehört zur Gruppe derer, die nicht_weiss sind‘.
Diese Grundlage ist deshalb wichtig, weil sie Spielfelder beschreibt.
white privilege exists und das lässt sich nicht dadurch ändern, ob einzelne böse Akte nach Hautton gestaffelt mehr oder weniger häufig vorkommen.
Privilegien weisser Menschen existieren, diese unverdiente Macht und die unverdient bevorzugte Behandlung wird weissen Menschen erteilt. (Wer nachlesen möchte, worum es sich dabei handelt, möge doch bitte bei sanczny schauen) Und all die Menschen, die nicht am anderen Ende der phänotypischen Scala stehen, die in irgendeiner Form in der Hirarchie „dazwischen“ sind, und dadurch gegebenenfalls hier und dort einen Teil der bevorzugten Behandlung erfahren, die von weissen aus der Schlange der ‚ganz_ganz_anders_vielleicht_nicht_mal_Menschen‘ etwas weiter nach vorne gerufen werden, die können versuchen, damit zu dealen, aber das bedeutet, dem Konzept Rassismus zuzustimmen. Nicht einmal es gut zu heissen, aber immerhin, wer vorrückt in der Schlange, di:er tritt aus, aus der Vereinigung derer, die nicht die vollen Rechte geniessen.
Ich verurteile nicht di:en Streikbrecher_in, der sich erpressen lässt, weil zuhause seine Kinder vor Hunger quaken und ich verurteile nicht den Houseslave, aber ich zeige auf, das diese dem Herrscher in die Hände spielen.
Existenzielle Not existiert, und Jede_r muss selbst entscheiden können, wie und wie sehr si:er sich damit auseinandersetzt. Es sind schon Menschen zerbrochen daran, und es sind auch welche an gebrochenem Herzen gestorben.

Wer nicht verstanden hat, welche Kategorien greifen, wenn Menschen einander begegnen, sondern glaubt(!) in einer indoktrinierenden Gesellschaft wären Menschen kategoriefreie, leere Tafeln, die sich dank persönlicher Souveränität unabhängig von dem System, dass sie umgibt, täglich neu erfinden könnten, kann dies nur mittels Nutzung von unverdienten Vorrechten oder Aufgrund von Ignoranz. Der Glauben an dieses sich selbst neu erfinden ist niedlich. Er ist verständlich. In einer Welt,die auf dem Mythos aufbaut, eine Tellerwäscherin könne Millionärin werden kann, muss sich jede selbst aussuchen dürfen, wer si:er ist. Und wer es nicht schafft, die eigenen Träume zu verwirklichen, hat halt einen Fehler gemacht.
Aber dieser Glaube negiert die Bedingungen, denen wir unterliegen. Die Abhängigkeiten, an die wir gebunden sind. X hat es geschafft, also ist es mir und Y auch möglich? Nein, leider nicht. Zu viele Faktoren sind Vorrausetzung für eine erfolgreiche Umsetzung eigener Wünsche, als dass wir ein Scheitern als persönliche Niederlage deklarieren dürften. Das Geschlecht, die Klassenzugehörigkeit, das Entsprechen körperlicher Normen sind inzwischen anerkannte Grössen. Der Phänotyp aber soll verschleiert werden. Weil seine Wirkmacht nötig ist im nationalistischen Kapitalismus.

Meinem Kind zu sagen, es seie nicht Schwarz sondern mixed würde ihm nicht helfen, zu verstehen, weswegen es diese Privilegien nicht hat. Wenn ich meinem Kind sage, dass es Schwarz ist, leugne ich nicht, dass Teile seiner Vorfahren weiss sind. Ich bereite es vor auf eine Welt, in der sein Phänotyp nicht nicht wahrgenommen wird. Denn diese Tatsache existiert, ob uns das behagt oder nicht. Ich gebe ihm Worte, für die Gefühle, die es wahrnimmt.
Ich bereite es vor auf eine Welt, in der die Kategorie Rassismus eines der Kriterien sein wird, nach denen es beurteilt wird. Denn mein Kind ist nicht weiss. Es hat weisse Vorfahren und nicht_weisse, und das ist immer nicht_weiss.
Dennoch erkläre ich ihm noch nicht den grossen Überbau, unter dem es lebt.
Ich glaube fast, ich erkläre meinem Kind nicht die politische Bedeutung von Schwarz, weil ich es nicht so früh auf die Trost- und Hoffnungs- und Auswegslosigkeit der Kategorie hinweisen will.

Advertisements

Was zu tun und was zu lassen ist als gute Bündnispartner

1. Lenke nicht vom eigentlichen Diskussionsthema ab. Auch wenn es für Dich persönlich unangenehm ist, Thema X zu diskutieren, es geht nicht um Dich und Dein Wohlbehagen. Es geht um Thema X, und es steht Dir absolut frei, Dich herauszuhalten, nicht jedoch, andere Menschen von der Fortsetzung ihrer Gespräch abzuhalten.

2. Lies die Links / Bücher auf die in der Diskussion verwiesen wurden. Und auch wenn die Dinge, die Du erfährst, verursachen, das Du Dich unwohl fühlst, Ein_e gute_r Verbündete_r zu sein,bedeutet nicht, sich in einer angenehmen Komfortzone aufzuhalten. Deine innere Abwehrhaltung musst Du schon selbst aufgeben.

3. Erwarte nicht, dass Deine Gefühle Priorität in einer Diskussion über X Problem haben.
Oft benutzen Menschen das Ton-Argument, weil ihre Gefühle durch die Art und Weise, in der eine Nachricht zugestellt wurde, verletzt werden. Wenn Du jemandem auf den Fuß getreten bist, und jemand fordert Dich auf, herunter zu gehen, dann ist die Antwort „Bitte netter darum “ nicht richtig. Zunächst einmal warst Du im Unrecht.

4. Mund halten und zuhören. Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig es ist, Menschen zuzuhören, die selbst von Erlebnis X betroffen sind. Es gibt kaum etwas unschöneres, als wenn jemand Betroffenen gegenüber (gut gemeint) darauf besteht, dass sie/er die Lösung gefunden hat, auch wenn sie/er die X-Erfahrung nie selbst gemacht hat. Du kannst natürlich Vorschläge machen, aber sei nicht überrascht, wenn diese Ideen nicht gut sind, weil Du die Situation aus der anderen Perspektive betrachtet hast.

5. Spiele nicht Olympiade der Unterdrückten. In der Mitte eines Gesprächs über Rassismus ist nicht die Zeit, darüber zu schwadronieren, wie schwer es ist, zB eine weiße Frau zu sein. Das Du in einem Bereich unterdrückt bist, bedeutet nicht, dass Du kein Privileg in einem anderen Bereich hast. Begriffe wie Intersektionalität und Kyriarchie gibt es aus einem Grund. Also … das ist Ablenkung. Hör auf.

6. Überprüfe Deine Privilegien. Das ist schwer und das ist oft unangenehm, aber es ist wirklich notwendig. Und Du wirst dabei Dinge falsch machen. Denn niemand ist perfekt. Aber ein Teil des Bündnispartner-seins ist die Bereitschaft zu hören, dass du es falsch machst.

7. Erwarte keinen Passierschein in sichere Räume, weil Du Dich Bündnispartner nennst. Du bekommst nicht dadurch ein Recht auf Zugang, dass Du Dich nicht wie ein [ hier Schimpfwort einsetzen ] benimmst. Manchmal geht es einfach nicht um Dich oder darum, was Du denkst, was geschehen sein sollte. Deine Privilegien fallen nicht weg, wenn Du Verbündete_r geworden bist. Es gibt innergemeinschaftlichen Gespräche, die ihren Platz frei vom Blick Privilegierter brauchen.

8. Sei bereit, Dich gegen Bigotterie zu erheben. Auch wenn alles, was Du tust, ist, einem Freund zu sagen, dass das, was sie gerade über die marginalisierte Gruppe X gesagt haben, nicht akzeptabel ist, damit hast Du etwas von der eigentlichen Arbeit des ‚ein Bündnispartner sein‘, geleistet.

9. Benutze Menschen nicht, als wären sie symbolische Accessoires oder Maskottchen. Du bekommst keine CoolnessPunkte dafür eine Gruppe von Freunden zu haben, die verschiedenen Phänotypen zugeordnet werden. Du fällst sogar unangenehm damit auf, wenn Du versuchst, diesen Umstand als Freifahrtschein zu verwenden, um Dir wie ein_e selbstgefällige_r  Geck auf die Schulter zu klopfen.

10. Versuche es weiter. Unablässig. Der Kampf gegen Bigotterie ist ein Krieg, keine einzelne Schlacht und er währt über Generationen. Also, halte Deine Ziele realistisch, Deinen Geist offen, und Dein Herz an der richtigen Stelle. (Und Pausen für emotionale, finanzielle, körperliche Erholung sind Not-wendig). Am Ende werden wir es schaffen.

Übersetzung des Textes “ the do’s and don’ts of beeing a good ally
von karnythia
– Sehen Sie mehr unter: http://theangryblackwoman.com/2009/10/01/the-dos-and-donts-of-being-a-good-ally/#sthash.03RCXhDs.dpuf


Rassismus den Spiegel (16 x ja sagen)

 

  • Weiße Privilegien existieren.
  • Weiße Privilegien zu hassen ist nicht das gleiche wie weisse Menschen zu hassen.
  • Trennung oder Spaltung wird nicht dadurch hervorgerufen, das Menschen mit Rassismuserfahrung Schutzräume betreten .
  • Positionen umzudrehen bringt weder Klarheit in ein Thema, noch bedeutet es, dass dadurch einander entsprechende Analogien erstellt werden.
  • Menschen haben Anspruch auf ihre eigenen Gefühle und auf den Ausdruck derselben. Die Erfahrungen und Gefühle von Menschen als übertrieben und unsachlich abzutun ist nicht hilfreich in der Diskussion um Rassismus.
  • Selbstverteidigung als Antwort auf Fragen oder Aussagen von Schwarzen Menschen/PoC bezüglich des Themas Rassismus ist das Nutzen eines Privilegs.
  • Empowerment durch Schwarze Menschen und PoC anzustreben ist nicht das gleiche wie weiße Menschen entrechten.
  • Rassismus ist mehr als “ einzelne, boshafte Taten.“
  • Ein Anspruch darauf, als Anti-Rassistisch wahrgenommen zu werden kann nicht auf der Existenz von eine_r Schwarzen oder PoC Freund_in/Frau*/Mann*/Kinder_n basieren.
  • Wenn Du um Entschuldigung bitten möchtest, dann kannst Du sagen, dass es Dir leid tut und dann die Klappe halten. Keine Rationalisierung , keine lange Erklärung über die Absicht, keine berufen auf „di:en schwarze_n Freund_in“ der Dein Vorgehen duldet oder sogar gutheisst. Und dann an der Veränderung arbeiten.
  • Im Mittelpunkt der Anti -Rassismus-Arbeit muss die Wirkung stehen, nicht die Absicht.
  • Das feiern von  „Multikulturalismus“ befasst sich nicht mit Rassismus.
  • People of Color sind nicht für die Bildung von weißen Menschen verantwortlich. Auch nicht für die Anti-Rassistische Bildung.
  • Es geht nicht immer nur um Dich.
  • Eine Erfahrung, die Du als weisse Person gemacht hast, und von der Du glaubst, dass sie einer Erfahrung von einer Schwarzen Person ähnlich ist, ist kein gültiger Beweis dafür, dass Rassismus nicht oder gegenseitig existiert.
  • “ Anti- Rassismus “ existiert nicht ohne Aktion.Übersetzung des im Original englischen Textes

my hair matters

Meine Haare waren viele Jahre kein Problem. Der Status der Exotic war gebändigt in twists, also in umeinander geschlungenen Haarsträhnen, die der gemeine Deutsche gern als „so ne Art Dreads, aber anders“ bezeichnete.

twists

twists

Nun habe ich aufgrund eines Haarworkshops und dem Anblick vieler wundervoller Afro’s die Haare gelöst, mit Feuchtigkeit versorgt und durchgekämmt. Das Ergebnis ist erschreckend: Ich bekomme zwar viel Zuspruch, aber ich bin zutiefst unglücklich. Meine Haare fliessen nicht einem Wasserfall gleich auf meine Schultern, ergiessen sich nicht auf meinen Rücken sondern stehen einer Wolke gleich flauschig von meinem Kopf ab.

nachher

Das wollte ich nicht, ich erinnere mich aber, das es schon einmal so war: bevor ich die twistst hatte. Ich habe verschiedene Pflegeprodukte ausprobiert, Öle, Butter, Conditioner, Kuren. All die Produkte führen dazu, dass ich erneut erschrecke beim Blick in den Spiegel. Es scheint, als müsse ich darauf verzichten, meinen Haaren Feuchtigkeit, also Fett zuzuführen. Aber, entgegen anderslautender Vermutungen waren sie ja auch nie trocken. Nur eben fein, unbändig,leicht zerzaust, wirr.

Die Haare wollen sich einfach nicht in Bündeln zusammenlegen und dann als Spirale von meinem Kopf hängen, sie wollen sich voneinander abstossen und sich als überdimensionierte Haarhaube positionieren. Aber auch das wäre erträglich, wenn sie dann zumindest eine Frisur wären, der leiseste Windhauch oder eine Bewegung meines Kopfes führt aber zu einer anderen, von mir unerwünschten Form.  Was ich möchte, ist weniger Volumen. Die Haare flusen um mein Gesicht herum. Sie legen sich vor meine Augen. Sie bleiben an meinem Gesicht kleben, wenn ich schwitze. Doofe Haare.

next daymit Pflegeprodukt

Ich bin in Deutschland aufgewachsen. Ich bin deutsch geprägt. Was diese afrikanisch-beeinflussten Haare von mir wollen, ist mir völlig unklar. Ich kannte in meiner Jugend nur Produkte für europäisches haar. Nun werde ich mich auf den Weg begeben müssen, etwas zu lernen, nämlich: ‚Haare, wie seid Ihr und was wollt ihr von mir?‘ Am einfachsten wäre es, ich würde sie wieder alle hübsch fein säuberlich verstauen und erneut eine gebändigte Frisur tragen, und ich denke täglich mehrmals darüber nach, aber ein bisschen reizt es mich auch, zu erfahren, was ‚being natural‘ für mich bedeuten könnte. Ganz sicher nicht selbstgefertigte kunstvolle Flechtfrisuren oder einen Watteballon aus Haaren, der im Winde tut was er will. Aber ich höre mich mir sagen: das ist wieder mein europäischer Blick auf mich und die Irritation über die Abweichung von der europäischen Norm. Freundschaft zu schliessen mit diesen feinen Locken fällt mir schwer. Wünscht mir Glück, ja?


Derailment Bingo

Derailment Bingo


8ter März

Frauentag. Ihr geht zu Events. Wir sagten früher Veranstaltung. Wir gingen in die Stadt, und verteilten Rosen und Nelken. In Rot. Natürlich. Ich geh nicht zum Event, ich geh zum SchulzirkusAuftritt meines Kindes. 

Aber das ist nicht schlimm. Was ich schlimm und komisch finde ist folgendes:

Wo sind wir unter dem Jahr füreinander?

Wo sind solidarische Frauenküchen( jede kocht alle 2 Wochen und dafür 2 Wochen nicht)?

Wo sind die Spielgruppen, die die Generation meiner Mutter aufgebaut hat, hin?

Jede für sich allein in den Supermarkt und sich verzetteln am Alltag?

Wo ist das Netz das ich vermisse?

Hier auf dem Dorf seh ich es nicht. Habt ihr das in den Städten?


Überall alles nur Rassismus oder schwarze Babies sind viel süsser als Weisse.

Natürlich habe ich Pippi gelesen. Als ein Kind der ’70er war ich quasi zwangsverpflichtet, mir feministische Kinderliteratur zu Gemüte zu führen. Auch die rote Zora haben meine (weißen) alternativ-bürgerlichen Eltern mir gegeben. Jim Knopf hatte ich nicht und auch nichts von Preussler, das wäre nicht aufrührerisch und alternativ genug gewesen. Aber ich kannte Jim. Die Augsburger Puppenkiste ’n stuff. Ich hasste ihn. Wegen des N*Wortes. Ich hasste es, wenn am Sonntag die unsäglichen TarzanFilme liefen. Und andere in Afrika spielende Filme, alle aus der Perspektive der weissen Herrscher, mit kleinen, augenrollenden Schwarzen, die gleichförmig ängstlich reagierten, wenn der weisse Forscher ins unentdeckte Gebiet aufbrechen wollte. Ich wusste, was am nächsten Tag in der Schule los sein würde. Sie würden mich mit diesen dummen kleinen Menschen gleichsetzen. Wegen meiner Hautfarbe und weil sie gelernt hatten, das diese eine Kategorie ist. Das es eine Kategorie: Hautfarbe gibt. Keine für Brillenträger, Segelohrenträger, Zahnspangenträger, Stotterer, was auch immer. Da war kein:“Hah Hah, gestern war eine wie Du im Fernsehen, eine XY, alle XY’s sind gleich, Du bist wie die im Fernsehen.“ XY war keine Kategorie.
Wenn ich mich beklagte, daß „die anderen Kinder mich N* genannt haben“ dann sagten meine Eltern gutmütig: „Die sind nur neidisch. Die ganzen Weissen gehen doch ins Sonnenstudio, um braun zu werden, die sind alle neidisch auf deine braune Haut.“ Ich spürte, daß etwas daran nicht stimmt, aber meine Eltern spürten da nichts. 
Die Erwachsenen der 70er waren in ihren Köpfen gefangen, in ihrer Ablehnung des HitlerReiches, in ihrem Versuch, alles besser zu machen als die eigene Eltergeneration. 
So konnten mich die Kindergärtnerinnen nicht in Schutz nehmen, wenn ich weinte, weil beim Spiel ‚Wer hat Angst vorm schwarzen Mann‘ alle vor mir fortliefen, wenn ich es hasste, das die „10 kleinen N*lein“ gesungen wurden, wenn ich aufgefordert wurde, zu zeigen, ob ich am ganzen Körper so aussähe wie Kakao. 
Die Erwachsenen mussten diese Vorfälle relativieren, bagatellisieren, weil sie sonst hätten eingestehen müssen, daß wir in einer rassistischen Gesellschaft leben. Das ich in meiner Würde bedroht werde. Sie hätten mit all den Eltern und Lehrern reden müssen, über eine Form der Ausgrenzung, für die sie Weder Verständnis noch überhaupt  Worte hatten.
Wenn ich geschubst, ausgelacht und gehänselt wurde, waren meine Lehrer_innen überzeugt, ich hätte es selbst herausgefordert. „Was hast Du denn vorher gemacht?“ fragten sie, weil es ihnen unvorstellbar war, daß es tatsächlich einfach Rassismus war, der mich ausgrenzte. 
Geschult durch die Frauenbewegung war meinen Eltern institutionelle Ausgrenzung durchaus geläufig, so wiesen mich darauf hin, das ich mich überdurchschnittlich anstrengen müsse, wenn ich positiv wahrgenommen werden wolle, aber die alltägliche Diffamierung blieb ihnen unsichtbar. 
Meine Eltern sind keine schlechten Menschen, ganz im Gegenteil, sie sind wundervolle, engagierte, sensible Menschen. Leider waren sie damals Farbenblind. „Du bist genau wie alle anderen“, sagten sie mir. Das stimmt nicht. Ich bin anders
Alle sind anders.
„Da stehst Du doch drüber“ sagten sie. Aber das Wort schmäht, es verletzt, es definiert mich in eine Gruppe. Es sagt:’Du gehörst nicht dazu.‘, Du bist nicht eine von vielen, Du bist anders. 
Nochmal: Alle sind anders.
Meine Hautfarbe ist mein Stigma. Sie definiert mich. Sie ist das Merkmal, das wahrgenommen wird, ich kann sie nicht verstecken. Ich werde über sie beschrieben, wiedererkannt. Und sie ist mit Vorurteilen behaftet. Sowohl mit bewussten als auch mit unbewussten. 
Das macht nichts. 
Wichtig, für den Fall, das es richtig erscheint und den eigenen Werten entspricht, ist nur, sich diesen Vorurteilen zu stellen, sie zu überprüfen und gegebenenfalls zu revidieren.  In jedem Einzelfall.
Anderenfalls bin ich gern bereit Borniertheit, Dünkel, Ignoranz und rassistische Sprache zu diagnostizieren.
Wenn Worte belanglos wären,dann könnte sich ja keine_r derer, die jetzt von Sprachpolizei rumeumeln darüber aufregen, daß sie dafür Rassist_innen genannt werden.
Nicht nur einmal bin ich steif vor Angst weitergegangen, wenn es mir nachgerufen wurde. Ich habe es unzählige Male gehört und mich ohnmächtig gefühlt. Es triggert mich. Auch, wenn es ‚im Spaß‘ gesagt wird. Als N*puppe. Als N*Kuss. Als N*Eis. 
Es erinnert mich daran, daß es ein leichtes ist, mich auszugrenzen, mir meine Würde abzusprechen, mir das Recht abzusprechen, der Unverletzbarkeit meines Körpers sicher zu sein.
Und wie komme ich nun dazu, aus meiner persönlichen Betroffenheit heraus, eine politische Forderung zu stellen?
Die feministische Arbeit hat vor 40 Jahren bereits aus einer Position der Betroffenheit daraufhingewiesen, daß das Private politisch ist. Mit der Forderung auf den Verzicht auf diffamierende Sprache vertrete ich nicht nur meine Empfindlichkeit, sondern ich verlange den Verzicht darauf, mich rassisch zu gruppieren, mich fremdzudefinieren, mich exclusiv zu behandeln. Ich verlange, daß ich als Person wahrgenommen werde. Ich bestehe darauf, als Mensch erlebt zu werden. Huch.


War

Sinnead O’Connor sagte uns einst mit so klaren Worten dass Krieg herrscht. Und das stimmt ja, dass Wissen wir. Und wir kennen die Feinde. Die Wut, die wir in uns tragen sollten wir nicht aneinander verschwenden. Denn das liesse uns die wahren Verbrecher schonen und Ihrem Willen folgen.
Und das wär doch echt mal dumm.

Until the philosophy,
Which holds one race superior
And another inferior,
Is finally and permanently
Discredited and abandoned,
Everywhere is war.
Until there is no longer first class
Or second class citizens of any nation.
Until the color of a man’s skin,
Is of no more significance then
The color of his eyes,
I’ve got to say „war“.
That until the basic human rights,
Are equally guaranteed to all,
Without regard to race,
I say „war“
Until that day the dream of lasting peace,
World-citizenship and the rule of
International morality will remain
Just a fleeting illusion to be pursued,
But never obtained.
And everywhere is war.
Until the ignoble and unhappy regime
Which holds all of us through,
Child-abuse, yeah, child-abuse yeah,
Sub-human bondage has been toppled,
Utterly destroyed,
Everywhere is war.
War in the east,
War in the west,
War up north,
War down south,
There is war,
And the rumors of war.
Until that day,
There is no continent,
Which will know peace.
Children, children.
Fight!
We find it necessary.
We know we will win.
We have confidence in the victory
Of good over evil

Anweisungen, um sich nicht wie ein Dummkopf Aufzuführen, nachdem Du des Rassismus bezichtigt wurdest.

Ich fand diesen Text und möchte ihn Euch hier gern zur Verfügung stellen:
  1.   Atme. Bleibe ruhig und höflich. Brenne keine Brücken nieder. Wenn jemand zu Dir gesagt hat „ich denke, das klingt ein bisschen rassistisch“, verwechsele es nicht mit: „Du bist rassistischer Abschaum wie der Klu Klux Klan “ (das ist ein Fehler, den eine erstaunliche Anzahl von weißen Menschen machen). Die Antwort, die Dir in den ersten zehn oder zwanzig Sekunden einfällt,  wird wahrscheinlich Deiner Verteidigungshaltung entspringen, nicht Deinem Gehirn, also wahrscheinlich ist es nicht gut, zu sagen, was Dir als erstes einfällt.
  2.  Nimm die Kritik ernst –  weise sie nicht zurück, ohne darüber nachzudenken. Vor allem, wenn die Kritik von einer PoC kommt – schwarze Menschen in unserer Gesellschaft neigen zwangsläufig dazu, sich stärker über Rassismus bewusst zu sein, als die meisten Weißen, und sie greifen Dinge auf, die die meisten Weißen übersehen. (Auf der anderen Seite, bringe nicht PoC in die Position Dein Anwalt oder Richter zu sein.)
  3. Nimm es nicht persönlich. Generell ist es einfach an Dir, Dich zu entschuldigen, für das, was du gesagt hast und die Welt sich weiter drehen zu lassen. Besonders, wenn Du in einem Meeting oder etwas ähnlichem bist. widerstehe Deinem Verlangen, in das Treffen ein Seminar einzuschalten, Wie sehr Ihr gegen Rassismus Seid. Das Thema des Gesprächs ist wahrscheinlich nicht „Unsere vielen engen schwarzen Freunde und Unsere aufrichtige langjährige und tiefe Abscheu des Rassismus.“ Betrachte es als ob Dich jemand darauf aufmerksam macht, dass Du Deine Nase putzen solltest, weil dir ein großer Klumpen Rotz heraushängt. Was zu tun ist, ist: „Oh, entschuldigen Sie mich“ sagen, die Nase wischen, und weitermachen. Darauf zu bestehen, dass alle  Dir auf den Rücken klopfen und Dir versichern, dass sie merken, dass Dir nicht immer Rotz aus der Nase hängt, bevor das Gespräch weitergehen kann, ist nicht produktiv.
  4. Lasse Gelegentliche unfaire Anschuldigungen an Dir abprallen. Manchmal, auch nachdem Du ernsthaft Überlegt hast, wirst du zu dem Schluss kommen, dass eine Kritik ungerecht war. Nun gut! Jetzt wende Dich anderem zu. Versuche nicht zu erreichen, daß jeder mit Dir einverstanden ist. Bitte keine schwarzen Menschen im Raum, Dich als Offiziell nicht-rassistisch zertifizieren. Bitte auch keine weissen Menschen darum. Dreh Dich nicht wieder und wieder darum, Wochen oder Monate, nachdem alle anderen die ursprüngliche Diskussion vergessen haben. Mit anderen Worten, siehe Punkt 3.
(erneut editiert)

Reiss nicht leeres Papier entzwei – ‚positiver Rassismus‘

Im vorangegangenen Post habe ich ein Beispiel für eine Umgangsform mit Rassismus gezeigt, die ich selbst für problematisch halte. Dennoch gehört sie ins Spektrum der Mechanismen, die Menschen wählen, um mit Traumata umzugehen. 
Die Seele braucht Schutz. Den sucht sie sich, wo sie ihn findet. Alles kann da helfen, Menschen benutzen Drogen, das Fernsehgerät, jede Art von Spielen, das annehmen der zugeschriebenen Eigenschaften, das umformen oder gar verdrängen von Erinnerungen, eine politische Einstellung, Religion und 1000 andere Dinge, die mir so fern liegen, dass sie mir nicht mal einfallen, um sich dem Schmerz zu entziehen. 
So formt sich die eigene Persönlichkeit unter dem Einfluss der ‚Nicht-Zugehörigkeit‘ zum Normgesetzten. Die eigene Rolle wird entwickelt, unter dem Eindruck der exklusivität, des nicht allgemein mitgemeinten. 
Black is beautyful ist grober Mist. Weder sind alle Schwarzen schöner noch anmutig, nicht einmal schwarz sind sie. Zum Schwarzen werden sie gemacht, durch die Normsetzung der in kolonialer Zeit ausgedachten Zuordnung der subsaharischen Völker und deren Nachkommen. Es ist nicht die Farbe der Haut, es gibt weltweit viele dunkle Individuen, die ‚den Schwarzen‘ nicht zugeordnet werden, weil andere Kennzeichen fehlen. Es ist der Glaube an die Überlegenheit, ob biologisch oder kulturell begründet, es sind ‚Dead white peoples clothes‘ und  das bedauern der armen AidsWaisen, die ‚leider zu arm sind, sich unsere guten Medikamente leisten zu können‘. Es ist das ignorieren der Gründe, weshalb jene, die Ressourcen haben arm sind, und jene, die über keine Bodenschätze verfügen reich sind. Es ist die vorgehaltene Knarre und das mitleidige Lächeln beim Almosenverteilen. Es ist gespendeter Reis und sorgenvolles Kopfwiegen, beim Anblick überfüllter Flüchtlingslager, die entstanden, weil die Kolonialzeit in Form von eingesetzten Statthaltern weiterbesteht. Es ist Ignoranz. Es ist Dünkel. Und es ist überheblich, irgendjemandem verweigern zu wollen, aus der Hölle der Erkenntnis, das der rassistische Gedanke lebt, auf seine Weise zu fliehen. 


Danielle Boodoo-Fortuné

Trinidadian poet and artist

The Mixedbetweener

In Between Cultures, Languages and Identities and More...

Wer andern einen Brunnen gräbt

Rassismuskritik//Empowerment//Globaler Kontext

Black America Web

Daily news and entertainment for African-Americans. Your one stop for all things Black America.

aufZehenspitzen

feminism and motherhood. yeah, it's a thing

Der Überblog - Ein idiot erklärt die Welt

Der ÜBERblog - Ein Idiot erklärt die Welt

Field Negro

My range of commentary is unlimited.

Style Visions

Fashion, thoughts, humour and more

Esther Siesta

Yoga, Inspiration und Texte von Esther Donkor